Seit 1994 ist der Italiener Marco Postinghel Solo-Fagottist im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Sein Platz im Orchester ist en face zum Dirigenten. Schaut der auf, blickt er ihn an. Denn da ist der Platz des Solo-Fagottisten. Genau da sitzt Marco Postinghel. Mittendrin. Eher unauffällig. Aber er kann ihnen immer direkt in die Augen sehen: dem Chefdirigenten Mariss Jansons etwa oder Sir Simon Rattle.

"Ganz gewöhnlich" sei er, betont Marco Postinghel, ein Musiker, der gerne und bewusst auf der unglamourösen Seite der Musikwelt sitzt. Eben auf der Seite, auf der man sich ausschließlich auf die Musik konzentrieren kann. Musik ist seine größte Leidenschaft, er ist ununterbrochen damit beschäftigt: er spielt, studiert, übt, forscht, entdeckt, zweifelt viel, stellt sich andauernd Fragen und sucht hungrig Antworten. "Bei der ganzen Liebe zu meinem Instrument, Instrumente sind und bleiben Instrumente. Sie sind bloße Mittel zum Zweck. Wichtig ist, was man damit erzählt! Deshalb muss man sich kulturell dauernd weiterentwickeln."

Als Orchestermusiker, Solist, Kammermusiker, als "leidenschaftlicher Continuist" und Lehrer musiziert Postinghel mit den großen Dirigenten, Solisten und Ensembles unserer Zeit: mit dem Bariton Christian Gerhaher, mit der Geigerin Victoria Mullova, mit dem Pianisten András Schiff, mit dem Dirigenten John Eliot Gardiner und den English Baroque Soloists. Er liebt Barockmusik, spielte aber auch im Ensemble Intercontemporain oder im Ensemble Modern. Er ist Professor an der Universität Mozarteum Salzburg und in Florenz, er ist Juror beim ARD-Wettbewerb, er gibt Meisterkurse: Marco Postinghel hasst Routine, er glaubt fest daran, dass Musikstücke immer wieder neu entdeckt werden müssen. Selbst bei sehr oft gespielten Werken bleiben immer noch sehr viele Fragen offen. Sich und seine Ideen über Musik ständig weiterzuentwickeln, das will und macht er als einer, der mittendrin sitzt, en face, unauffällig.

Marco Postinghel ist ein seltener Fall von Musiker, an dessen Biographie und Persönlichkeit sich zeigt, was einen Musiker von heute wirklich ausmacht. Perfekt für einen "hr2-Doppelkopf".

Gastgeberin: Natascha Pflaumbaum

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