Nora Bossong wagt sich in jene Zonen, in der Lust harte Arbeit für die Prostituierten ist. Hier prallen Sexualität und Kapitalismus frontal aufeinander. Es geht es um viel Geld und um Macht, die der hat, der zahlt.

Ein Jahr lang streifte die Schriftstellerin durchs Rotlicht-Viertel, durch Wohnungsbordelle und den Straßenstrich, hat mit Prostituierten, Zuhältern und Freiern gesprochen – allerdings immer in männlicher Begleitung. Das Ergebnis: Es gibt nur sehr wenige Edelbordelle, Prostitution ist überwiegend ein rechtloses Gewerbe, ein prekäres Gewerbe. Die Frauen erfahren wenig Respekt. Von Irma La Douce oder Pretty Woman sind sie weit entfernt.

Mit scharfer Beobachtungsgabe erzählt Nora Bossong von einem Paralleluniversum in der Mitte der Gesellschaft. Sie trifft harmlose Studenten bei Dildo-Präsentationen und altersweise Pornoproduzenten. Sie wagt sich in schäbige Sexkinos und plaudert mit Gästen am Salat-Buffet eines Swingerclubs. Und sie stellt die Frage, warum das Rotlichtmilieu die Wollust in erster Linie an den Mann bringen will – und weniger an die Frau.

Nora Bossong studierte in Berlin, Leipzig und Rom Philosophie und Komparatistik. Sie wurde unter anderem mit dem Peter-Huchel-Preis, dem Kunstpreis Berlin und dem Roswitha-Preis ausgezeichnet. Im "hr2-Doppelkopf" erzählt die "Rotlicht-Forscherin" unter anderem davon, dass sich die Macht-Strukturen im Bordell im Alltag vieler Frauen wiederfinden und davon, wie sie selbst sich während der Recherche verändert hat.

Gastgeberin: Karin Röder

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Buchhinweis:

Nora Bossong: "Rotlicht", Carl Hanser Verlag 2017, Preis: 20,- Euro

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