Curt Querner, Agitator
Curt Querner, Agitator Bild © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: bpk / Nationalgalerie, SMB / Bernd Kuhnert

Revolution und Reaktion, Goldene Zwanziger und Weltwirtschaftskrise, Sinnentaumel und Ernüchterung. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt zeigt jetzt "Glanz und Elend der Weimarer Republik" - ironische, anklagende und manchmal prophetische Werke aus der brodelnde Zeit zwischen I. Weltkrieg und Nationalsozialismus.

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zum Artikel Frankfurt, Kunsthalle Schirn: Glanz und Elend in der Weimarer Republik

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Diese Ausstellung lässt uns in die Zeit der Weimarer Republik eintauchen. Sie bietet einen guten Überblick über die junge Demokratie im Spiegel der Kunst und ist gut für "Einsteiger" ohne kunstgeschichtliche Vorkenntnisse geeignet. Es geht weniger um stilistische oder künstlerische Fragen, sondern um die damalige Zeit mit all ihrem Glanz und Fortschrittsgeist, ebenso wie dem großen Elend nach dem Ersten Weltkrieg: den vielen Kriegsversehrten, der Massenarbeitslosigkeit und Prostitution.

Frauen als Objekt und Frauen als Künstler

"Glanz und Elend in der Weimarer Republik", Schirn
Horst Naumann (Weimarer Fasching), Alice Lex-Nerlinger (Paragraph 218), Jeanne Mammen (Aschermittwoch) Bild © Nachlass Naumann, Sigrid Nerlinger/ Stadtmuseum Berlin, VG Bild-Kunst

Die Ausstellung versammelt mehr als 60 Künstler aus ganz Deutschland mit rund 190 Werken – darunter so bekannte Namen wie George Grosz, Otto Dix und Jeanne Mammen. Aber auch viele weniger beachtete Künstler, die man hier entdecken kann. Und die Ausstellung zeigt deutlich, was für eine wichtige Rolle Frauen in der Weimarer Republik spielten: Sie dürfen endlich wählen, werden zur Macherin im Hosenanzug als Ideal der "Neuen Frau", prostituieren sich aber auch häufig, denn sie sind nun oft die Einzigen, die die Familie ernähren können.

"Glanz und Elend in der Weimarer Republik", Schirn Frankfurt, Dodo, Logenlogik
Dodo, Logenlogik (Ausschnitt) Bild © Krümmer Fine Art

Kuratorin Ingrid Pfeiffer hat sich bewusst für eine "Frauenquote" entschieden: rund ein Drittel der gezeigten Werke stammen von Künstlerinnen. Das tut der Ausstellung gut. Denn die Frauen brachten ihre neue Rolle und sich selbst oft viel differenzierter und ambivalenter auf die Leinwand oder zu Papier als ihre männlichen Kollegen.

Weitere Informationen

Glanz und Elend der Weimarer Republik

Von Otto Dix bis Jeanne Mammen
Schirn Kunsthalle Frankfurt
Römerberg
bis 25.2.2018

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Düstere Vorahnungen - die Kunst hatte sie zuerst

Horst Naumann, Weimarer Fasching
Horst Naumann, Weimarer Fasching Bild © Nachlass Naumann, Foto: bpk / Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Elke Estel / Hans-Peter Klut

Die ganze Ausstellung zeugt vom "Tanz auf dem Vulkan" jener Zeit. Die Künstler und Künstlerinnen genossen sichtlich ihre neuen Freiheiten, ahnten aber oft auch schon, was kommen würde. Davon zeugen unter anderem Sensenmänner, Flugzeugabstürze und nicht zuletzt die vielen Hakenkreuze auf den Leinwänden: an den Revers von karikierten fetten Industriellen und Militärbegeisterten Bonzen. Heute beobachten wir wieder ein Erstarken des Nationalismus und der Rechtspopulisten in Europa – nicht zu vergleichen mit damals. Aber den Populisten gab es offenbar schon damals: er hieß lediglich "Agitator".

Vorgestellt von Tanja Küchle

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 27.10.2017, 7:30 Uhr

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