Simon Boccanegra Staatstheater Darmstadt
Sung-Kyu Park, Seokhoon Moon, Natalie Karl, Lucio Gallo, Krzysztof Szumanski, Georg Festl, Opernchor und Extrachor des Staatstheaters Darmstadt Bild © Staatstheater Darmstadt/Martin Sigmund

Es ist eine Geschichte über Macht, Lüge und Liebe. Giuseppe Verdis Oper "Simon Boccanegra" hatte nun am Staatstheater Darmstadt Premiere. hr2-Musikkritiker Meinolf Bunsmann saß im Publikum. Komplizierter Stoff, der ideale für die Oper?

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Simon Boccanegra

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Das Staatstheater Darmstadt stellt sich der Herausforderung einer verworrenen Handlung gut: Regisseur Dirk Schmeding verpflanzt die Geschichte nicht, sondern lässt die Handlung im Genua des 14. Jahrhunderts spielen. Das Besondere: Die Oper beginnt nicht mit Tschingdarassabum. Ohne jede Ouvertüre wird gleich nach einigen Takten gesungen. In einem Prolog wird erzählt, was 25 Jahre vor dem ersten Akt geschah. Wie der Korsar Simon Boccanegra Doge wurde. Nicht, um an die Macht zu kommen, sondern um seine Geliebte Maria heiraten zu können, die aber längst tot ist. Das ist ein Prolog mit videoprojizierten Nebelschwaden, die den Blick der Zuschauer auf das Geschehen trüben. Nebel – ein treffendes Symbol für diese undurchsichtige Geschichte.

Wirre Handlung, klare Strukturen

Simon Boccanegra Staatstheater Darmstadt
Krzysztof Szumanski, Georg Festl in Simon Boccanegra am Staatstheater Darmstadt Bild © Staatstheater Darmstadt/Martin Sigmund

Ort der Handlung ist mal ein Genueser Patrizierpalast, mal der Dogenpalast oder der Ratssaal mit weißen Mauern und klaren Strukturen, mit Thron und Treppe und einer mittelalterlichen gemalten Heiligenszene im Hintergrund, das ist ein sehr schönes Bühnenbild. Die Darsteller tragen prächtige Kostüme aus der Zeit, Gewänder, Helme, Degen, hohe Stiefel. Wirklich etwas fürs Auge. Die Patrizier elegant und nobel, die Plebejer eher in Sack und Asche gekleidet. Man weiß als Zuschauer, wem welche Rolle zugewiesen ist.

Glaubwürdige Inszenierung

Simon Boccanegra Staatstheater Darmstadt
Natalie Karl, Lucio Gallo in Simon Boccanegra am Staatstheater Darmstadt Bild © Staatstheater Darmstadt/Martin Sigmund

Der Zuschauer wird Zeuge, wie sich der Nebel aus Lügen, Macht und Intrigen noch einmal verdichtet und sich dann langsam auflöst. Und es wird klar: Boccanegra ist ein Doge, der aus Liebe zum Mächtigen wird. Der unglücklich und wider Willen auf seinem Thron sitzt, eigentlich ausgebrannt ist. Ein Mann, der manchmal von körperliche Zuckungen und Krämpfen geplagt wird. Sehr beeindruckend ist die ganze letzte Szene. Sie spielt vor dunklen Meereswogen, die sich in Zeitlupe über die Videoleinwand bewegen und irritierende Unruhe in den Hintergrund bringen. Simon Boccanegra im weißen Unschuldsnachthemd, ohne die Insignien seiner Macht, stirbt einen langen und qualvollen Vergiftungstod, nicht ohne vorher den Weg frei zu machen für seine verloren geglaubte Tochter Amelia und ihren Geliebten Gabriele. Die Figuren stehen wie auf einem Gemälde auf der Bühne. Jeder für sich. Irgendwie isoliert. Die Liebenden bekommen sich zwar am Ende. Das ist aber kein Happy End.

Überzeugende Stimmen, (zu) deutliches Orchester

Dirigent Will Humburg hat alle Beteiligten durch sein sehr deutliches Dirigat sicher durch die Oper manövriert. Viele Stellen plastisch gestaltet, die Bläser haben mir gut gefallen. Manchmal war das Orchester aber eine Spur zu laut, wenn die Solisten gesungen haben. Da hatte Natalie Karl als Amelia, die mit ihrem warmen Sopran sehr schön gesungen hat, dann ein bisschen das Nachsehen. Der Italiener Lucio Gallo hat als Simon Boccanegra nicht nur stimmlich sondern auch darstellerisch überzeugt, auch wenn er manchmal sehr abgedunkelt gesungen hat. Sehr deutlich war aber Sung Kyu Park als Gabriele Adorno. Vielleicht der Star des Abends mit seiner klaren und strahlenden Tenorstimme, die auch bei lautem Orchester immer präsent war. Toll auch Chor und Extrachor. Die haben gestern den letzten Winkel des Saals mit ihren Stimmen erreicht. Alles in allem eine gelungene und sehens- und hörenswerte Aufführung.

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