Capriccio
Gordon Bintner (Der Graf), Tanja Ariane Baumgartner (Clairon), Alfred Reiter (La Roche), Camilla Nylund (Gräfin Madeleine), AJ Glueckert (Flamand) und Daniel Schmutzhard (Olivier) (v.l.n.r.) Bild © Oper Frankfurt / Monika Rittershaus

Das Spätwerk von Strauss stand jahrzehntelang nicht auf dem Frankfurter Spielplan. Jetzt setzt Brigitte Fassbaender dieses Rokokostück ohne Puder und Perücken um und versetzt uns in die Zeit der Uraufführung, 1942. Das birgt Brisanz.

Eine Oper, die die aktuelle politische Lage jener Zeit thematisiert, wäre undenkbar gewesen. Aber eine feine Gesellschaft fernab jeglicher Realität in einem Elfenbeinturm über musiktheoretische Aspekte plaudern zu lassen, das war für Regisseurin Brigitte Fassbaender dann doch so heute nicht mehr auf die Bühne zu bringen. Aber sie hat nicht die Holzhammermethode angewandt sondern hat sehr behutsam die Zeitbezüge eingearbeitet.

Oper Frankfurt: Capriccio
AJ Glueckert (Flamand), Daniel Schmutzhard (Olivier) und Camilla Nylund (Gräfin Madeleine) Bild © Oper Frankfurt / Monika Rittershaus

Nachdem sich ein wunderbar gemalter roter Vorhang zur Musik öffnet, befindet man sich im Gartensaal eines Schlosses. Ein Glashaus mit Korbsesseln und hinten einer kleinen Bühne. Wunderbares Bühnenbild von Johannes Leiacker. Und in diesem Dekor agieren dann die Hauptpersonen: Gräfin Madeleine wird gleichzeitig hofiert von Komponist Flamand und Dichter Olivier. Die neue Stücke präsentieren wollen, die vom Theaterregisseur La Roche aufgeführt werden sollen. Mit dabei sind die Schauspielerin Clairon, der Bruder der Gräfin. Später noch zwei italienische Sänger aus Neapel, ein Souffleur, eine Tänzerin, der Haushofmeister und die acht DienCapriccio ist eine hochkomplexe Oper, die Musik läuft fast zweieinhalb Stunden am Stück durch ohne Pause, es gibt musikalische Zitate und Anspielungen, Orchester und Sänger haben andauernd etwas zu tun.

Oper Frankfurt: Capriccio
Oper Frankfurt: Capriccio Bild © Oper Frankfurt / Monika Rittershaus

Der Titel Konversationsstück für Musik trifft zu. Dauernd wird diskutiert. parliert. Das ist textlich, sängerisch und instrumental eine Herausforderung. Sebastian Weigle hat dieses komplexe Stück hervorragend zusammengehalten, das Opernorchester hat wunderbar differenziert gespielt. Man braucht zehn sehr gute Sängerinnen und Sänger für die solistischen Rollen und nochmal acht für die Rollen der Diener. Die Oper Franfurt hat ein tolles Ensemble zusammengestellt. Die männlichen Rollen Dichter, Komponist, Theaterregisseur und Graf waren mit Daniel Schmutzhard, AJ Glueckert, Alfred Reiter und Gordon Bintner hervorragend besetzt.

Oper Frankfurt: Capriccio
Tanja Ariane Baumgartner (Clairon) und Gordon Bintner (Der Graf) Bild © Oper Frankfurt / Monika Rittershaus

Tanja Ariane Baumgartner hat mit ihrem warmen Mezzo die Rolle der Schauspielerin Clairon wunderbar gestaltet. Und viel Applaus gab es für die Sopranistin Camilla Nylund als Gräfin Madeleine. Zu Beginn der Oper noch sehr dramatisch, hat sie am zu einem warmen lyrischen Ton gefunden, der zum Epilog der Oper ideal gepasst hat.er. Alle vornehm gekleidet, aber eben nicht im Rokostil sondern in Anzug und Abendkleid der 1940er. So weit so gut. Dass Krieg herrschen könnte, das merkt man zunächst am kleinen Sohn des Haushofmeisters, der auf dem Boden mit einem Panzermodell spielt. Der sich später dann einen Schnurrbart anmalt und mit dem Hitlergruß salutiert.

Fazit von hr2-Kritiker Meinolf Bunsmann

Eine komplexe, anspruchsvolle, stimmig inszenierte und musikalisch fantastische aufgeführte Oper. Dafür gab es bei der Premiere zu Recht viel Applaus. Bravo!

Das Interview mit Regisseurin Brigitte Fassbaender

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Brigitte Fassbaender, Regisseurin

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Prima le parole - dopo la musica! Oder ist es umgekehrt, Frau Fassbaender?

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Richard Strauss lässt in seiner letzten Oper "Cappriccio" zwei Männer streiten: Erst die Worte, dann die Musik? Brigitte Fassbaender führt bei der Inszenierung an der Oper Frankfurt Regie - und auch ihr hat hr2-Moderatorin Christiane Hillebrand diese Frage gestellt.

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 15.1.2018, 7:30 Uhr

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