Indien am Staatstheater Darmstadt
Österreichischer Roadmovie auf Hessisch Bild © Staatstheater Darmstadt / Nils Heck

Die Tragikomödie von Josef Hader und Alfred Dorfer erreichte durch die Verfilmung mit eben diesen beiden Mitte der 90er Jahre Kultstatus. Nun ist "Indien" zurück auf der Bühne, aus dem Niederösterreichischen ins Darmstädterische übertragen.

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zum Artikel Darmstadt, Staatstheater - Kleines Haus: Indien

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Hadwiga Fertsch-Röver kann sich in ihrer Kritik eines Schmunzelns nicht erwehren: Dieser Roadmovie mit zwei extrem unterschiedlichen Charakteren, die sich in einer Zwangsgemeinschaft von einem Gasthaus zum anderen durch die Lande schlagen, wird quasi nur im Bühnenbild markiert: Durch Ortsschilder, die rechts und links
den Weg weisen, nach einschlägigen Orten in Südhessen wie Otzberg, Erbach, Bad König und Breuberg. Die verschiedenen Gaststätten, die die beiden in einem Tag so aufsuchen, werden durch Musik, Tischdeko (kariert oder geblümelt!) und durch das Outfit der Kellnerinnen  oder Wirte sehr wirksam angedeutet.

Aber lässt sich der österreichische Dialekt und Sprachwitz ins Hessische "übersetzen" ? Nur teils, teils: Stellenweise hat David Gieselmann den legendären Datterich, die  Burleske von Ernst Niebergall, herausgeholt und treffende Übertragungen gefunden, etwa die Schimpfwörter Babbsack, Labbeduddel, Arschgrampe und Knodderbicks. Dieser abgrundtief schwarze Humor aus Österreich, also die Bösartigkeit im Dialekt und den Charakteren, die Josef Hader und Alfred Dorfer in ihrem Stück haben,
verbindet sich im  "Heiner"-Hessisch, wie man den Dialekt in Darmstadt nennt, ganz gut mit diesem lauernd-schnoddrigen Ton der Südhessen. Aber oft klang mir das in der Übertragung in diesen Dialekt dann doch  zu nett, oder auch ein bisschen schal: Denn der Dabbes oder der Hannebambel sind doch eher Koseworte und sind gar nicht so gemein.

Fazit von Hadwiga Fertsch-Röver

Zuschauer, die des Südhessischen nicht mächtig sind, könnten ein wenig Probleme haben bei dieser Adaption, um alle Anspielungen auf die Region zu verstehen. Aber ich habe mich gut unterhalten, war auch berührt, gerührt, gerade im Schluss. Ich habe tolle Schauspieler in der Regie von Mathias Znidarec gesehen, ein überzeugendes Bühnenbild, nur der Transfer zwischen Niederösterreich und Südhessen hätte ein bißchen mehr Zuspitzung vertragen!





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