Die lustigen Weiber: Marie-Luise Dreßen (Frau Reich), Lin Lin Fan (Frau Fluth), Ani Yorentz (Anna Reich)
Die lustigen Weiber: Marie-Luise Dreßen als Frau Reich, Lin Lin Fan als Frau Fluth, Ani Yorentz als Anna Reich. Bild © Staatstheater Kassel / N. Klinger

Ist eine komisch-phantastische Oper schon ziemlich modern, wenn grelle Kostüme blitzen und Sänger in Mülltonnen verschwinden? Wie kommt die Kasseler Inszenierung weg, was Stimmen und Musik angeht? hr2-Kritiker Andreas Wicke empfiehlt die Produktion vor allem der Sängerinnen wegen.

Worum geht's?

Die Oper basiert auf Shakespeares gleichnamigem Stück, im dritten Akt kommt dann noch etwas „Sommernachtstraum“ dazu und am Schluss sind alle irgendwie geheilt – außer Falstaff, der, zumindest in Kassel, gleich die nächsten Liebesbriefe verteilt, diesmal allerdings an die Damen in der ersten Reihe des Publikums.

 Wie wird das umgesetzt?

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Die lustigen Weiber von Windsor

Komisch-phantastische Oper in drei Akten von Otto Nicolai
bis 3. Juni 2018

Staatstheater Kassel
Opernhaus
Friedrichsplatz 15
34117 Kassel

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Die lustigen Weiber: Younggi Moses Do (Junker Spärlich), Marc-Olivier Oetterli (Herr Reich, Bürger von Windsor), Daniel Jenz (Fenton)
Younggi Moses Do als Junker Spärlich, Marc-Olivier Oetterli als Herr Reich, Daniel Jenz als Fenton Bild © Staatstheater Kassel / N. Klinger

Im Programmheft schreibt Dramaturg Christian Steinbock: "Für eine Inszenierung im 21. Jahrhundert lässt sich unter dem Stichwort des modernen Biedermeier rasch die passende Inszenierungsfolie finden". Nun, die heißt: Spießbürgertum.

Und so besteht die Bühne aus perfekt geschnittenen Hecken, Scheibengardinen, Schützenverein, Kleingartenidylle, Sektpiccolo, Trainingsanzug, Wäschespinne, BILD-Zeitung und Hirschgeweih. Und wo sonst in den Boulevardkomödien Türen auf zu und gehen, um das eheliche Liebesleben mit dem außerehelichen zu koordinieren, werden hier Hecken verschoben und Herren statt in Wäschekörben in Mülltonnen versteckt.

Wer singt wie?

Lin Lin Fan und Marie-Luise Dreßen bilden als Frau Fluth und Frau Reich einen schönen Kontrast, die erste mit einem glasklaren und koloraturerprobten Sopran, die andere mit einem kernigen Mezzo.

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Die Inszenierung bei hr2-kultur

Einen Mitschnitt der Premierenvorstellung und Interviews mit Dirigentin und Sängern hören Sie am 4. November um 20:04 Uhr in der Sendung hr2-Konzertsaal.

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Mein Star an diesem Abend war Marie-Luise Dreßen, denn die singt nicht nur ganz ausgezeichnet und parodiert dabei auch noch den Vokalstil der großen Oper. Sie ist auch als Darstellerin einer plumpen Lüsternheit, die sich hinter kleinbürgerlicher Fassade versteckt, wirklich ziemlich komisch.

Die lustigen Weiber: Florian Spiess (Sir John Falstaff), Damen und Herren des Opernchores
Florian Spiess als Falstaff Bild © Staatstheater Kassel / N. Klinger

Florian Spiess ist zunächst ein optisch sehr ungewöhnlicher Falstaff, nicht alt und dick, sondern ein junger durchtrainierter und riesengroßer Bassist. Und er hat eine tolle klangvolle Tiefe.

Fazit

Die lustigen Weiber: Marie-Luise Dreßen (Frau Reich), Daniel Jenz (Fenton), Sebastian Noack (Herr Fluth), Bernahard Modes (Der Wirt), Hee Saup Yoon (Dr. Cajus), Ani Yorentz (Anna Reich), Marc-Olivier Oetterli (Herr Reich), Younggi Moses Do (Junker Spärlich), Lin Lin Fan (Frau Fluth)
Die lustigen Weiber Bild © Staatstheater Kassel / N. Klinger

In Kassel sehen wir mit diesen Weibern eine boulevardesk-bunte Inszenierung, die allerdings nicht restlos überzeugt. Die Leistungen des Ensembles und des Orchesters bieten dennoch Grund genug, sich die Produktion anzuschauen und vor allem anzuhören.

Kritik von Andreas Wicke

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück 23.10.2017, 7:30 Uhr

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