"Der Mieter" Oper Frankfurt, Björn Bürger (Georg) und Philharmonia Chor Wien
Björn Bürger (Georg) und Philharmonia Chor Wien Bild © Oper Frankfurt / Barbara Aumüller

Andreas Bomba bespricht in seiner Frühkritik "Der Mieter", zu sehen in der Oper Frankfurt. Intensiv, suggestiv, komplex - so lautet sein Fazit des Abends.

Die Geschichte, wenn man von einer Geschichte überhaupt reden kann, ist denkbar einfach: Da ist ein Mieter namens Georg, der in eine Wohnung zieht, deren Vormieterin sich aus dem Fenster gestürzt hat. In knapp zwei Stunden kommt es soweit, dass auch er sich aus dem Fenster stürzt, weil die Nachbarn ihn schikanieren, z.B. behaupten, er sei zu laut (was nicht stimmt) und ihn in den Wahnsinn treiben.

Hier geht’s um Psychologie, aber an einem entscheidenden Punkt im Bild merkt man: es geht nicht nur um Psychologie - die Geschichte bekommt etwas Surrealistisches, was man auch im Bühnenbild sieht.

Die Musik intensiviert den Dialog, bringt ihn voran, unterfüttert und färbt ihn

Die Inszenierung ist sehr interessant gemacht, am Anfang mit einem relativ rasanten Tempo. Man kann trotzdem gut folgen, der Gestus wechselt zwischen einer Erzähl- und einer Kommentarhaltung. Bedingt durch die Musik merkt man schnell, wie wirr und absurd diese ganze Geschichte ist. In der Musik bauen sich immer neue Spannungsbögen auf -  man hört etwa das Wasser tropfen, beängstigend, rund um im Raum; man hört das Klopfen der Mieter an die Decke, an den Boden, an die Wände; man hört so die Nachbarn, die diesen Georg verunsichern, verängstigen. Da spielt die Musik eine große Rolle, und was dann dazu kommt, das ist das Bühnenbild, das eine unabdingbaren Einheit mit Musik und Text bildet, und das ist das, was Musiktheater ausmacht -  es geht wirklich ineinander.

Suggestives Bühnenbild

Das Bühnenbild hilft, die Realitäten zu verschleiern und vielfältig aufzufalten. Es gibt einen Vorhang, auf den ein Foto projiziert wird -  das eines absolut schäbigen Zimmers. Dann gibt es Video-Projektionen, zum Teil in diesen Vorhang hinein -  in der Tür, die da zu sehen ist, erscheinen plötzlich Personen im Spiegel. Dann gibt es dahinter oder davor (je nachdem, wo der Vorhang ist) auch reale Handlungen. Man weiß nie so recht, wo man ist, was ist gespielt, was ist real.

Das ist für sich schon unheimlich, und wenn dann die musikalischen Wirkungen dazukommen, dann ist das schon sehr stark.

Unheimliche Wirkungen

Es gibt sehr viele Personen in dieser Oper, sehr viele Nebenrollen. In der Hauptrolle ist Björn Bürger als Georg toll, er wächst in diese Rolle hinein. Als Johanna ist Anja Petersen zu sehen und zu hören. Sie wächst aus der Musik heraus, bekommt hohe Stimmen zugeordnet, eine hohe Trompete, eine Flöte, plötzlich tritt die Stimme heraus, dann tritt auch diese geisterhafte Person heraus, verschwindet dann wieder im Orchester  -  das sind unheimliche Wirkungen.

Am Schluss kommt eine mystische Verklärung hinein, mit Gesängen, mit dem Chor, mit der Musik, die sich intensiviert, lang, lauter und schriller wird. Und irgendwann sind die Spannungsbögen, von denen ich gesprochen habe, etwas überdreht.

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Weitere Informationen

Arnulf Herrmann: Der Mieter

Uraufführung am 12. November 2017, Oper Frankfurt
Oper in drei Akten
Text von Händl Klaus
frei nach Motiven des Romans
Le Locataire chimérique (1964) von Roland Topor
Auftragswerk der Oper Frankfurt

Musikalische Leitung: Kazushi Ōno
Regie: Johannes Erath

hr2-kultur sendet die Aufzeichnung der Premierenvorstellung in der Sendung "Opernbühne" am Samstag, 3. März 2018 um 20:04 Uhr

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