Liebieghaus, Schächer zur Linken Christi / Johannes der Täufer, um 1430
Die ehemalige Flügelinnenseite mit der Darstellung des gekreuzigten Schächers nach Beendigung der Restaurierung Bild © Städel Museum

Die Liebieghaus-Skulpturensammlung präsentiert in einer Sonderausstellung ein Schlüsselwerk der europäischen Kunstgeschichte: Das so genannte Schächer-Fragment des Meisters von Flémalle, eines der rätselhaftesten Künstler der frühen niederländischen Malerei.

Das beidseitig bemalte Fragment wurde drei Jahre lang im Städel-Museum umfassend untersucht und restauriert. Es ist der einzige erhaltene Teil eines großformatigen Kreuzabnahme-Triptychons, das zu den bedeutendsten und einflussreichsten Werken der niederländischen Malerei vom Anfang des 15. Jahrhunderts zählt. Nachdem die restauratorischen Maßnahmen abgeschlossen sind, erstrahlt das kostbare Werk buchstäblich in neuem Glanz. Im Rahmen der Schau werden zum einen das Vorgehen und die spektakulären Ergebnisse der technologischen Untersuchung und Restaurierung vorgestellt. Darüber hinaus werden 13 ausgewählte Vergleichsstücke der Skulptur sowie der Tafelmalerei, Zeichnung und Buchmalerei gezeigt, die das Schächer-Fragment auf vielfältige Weise kontextualisieren.

Weitere Informationen

In neuem Glanz

Das restaurierte Schächer-Fragment des Meisters von Flémalle im Kontext

Liebieghaus, Frankfurt
15. November bis 18. Februar

www.liebieghaus.de

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Schächerfragment im Liebieghaus
Vorher/Nachher: Schächerfragment im Liebieghaus Bild © Städel Museum

Die Figur des Schächers – des mit Christus gekreuzigten Verbrechers – führt die Anwendung der neuerfundenen Ölmalerei auf einen ersten Höhepunkt. Stufenlose Farbübergänge, Lichtreflexionen und Materialoberflächen von Haut, Haaren, Metall, Edelsteinen, Tüchern und vielem weiteren werden täuschend echt dargestellt. Nach der Restaurierung tritt die faszinierenden Illusion von Dreidimensionalität, ein Charakteristikum der Malerei des "Meisters von Flémalle", umso deutlicher hervor. Das raffinierte Spiel des "Flémallers" mit zeitgenössischen Seherwartungen wird dadurch ebenso neu erfahrbar wie der Wettstreit zwischen Malerei und Skulptur im frühen 15. Jahrhundert.

Das Fazit von hr2-Kunstkritikerin Stefanie Blumenbecker

Die Ausstellung stellt echte Preziosen vor. Durch begleitende Wandtexte und vor allem durch den Katalog wird deutlich, wie Kunstwissenschaft arbeitet. Recherche, Vergleiche, Dokumente, Archive, Hinweise und Ideen führen wie Indizienbeweise – zu Vorschlägen zur Verortung der einzelnen Stücke. Wer hat wann für wen und für welchen Ort und welchen Zweck das Kunstwerk gefertigt. Der technische Aspekt der Restaurierung und daraus hervorgehende  Materialfragen spielen eine wichtige Rolle.

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