Cover Jacobson Pussy
Bild © Klett-Cotta

Hier kommt ist ein modernes Märchen, eine Politsatire obendrein und die Hauptfigur des Buches ist Donald Trump – auch wenn sein Name kein einziges Mal genannt wird.

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Spätestens seit dem Aufstand der Pussy-Riot-Frauen gegen Putin und erst recht seit Donald Trump sein Frauen-Grabsch-Rezept in die Welt trompetete, wissen wir, dass "Pussy" nicht das niedliche Kätzchen meint, sondern das weibliche Geschlecht. Der Titel kommt also schon mal nicht sehr märchenhaft daher – die Story tut es auf den ersten Blick durchaus, es geht um Herzoge, Paläste, den Thronfolger und das Königreich Urbs-Ludus.

Urbs-Ludus ist eine Welt voller Hochglanz, modernem Blingbling und Wolkenkratzern, in deren Mitte der Palast der Goldenen Tore thront. Dort leben der Herzog und die Herzogin des Landes zusammen mit ihrem jüngsten Sohn, Fracassus. Fracassus ist die Hoffnung und gleichzeitig die größte Sorge der Familie. Fracassus soll einmal den Thron übernehmen, er wächst in unermesslichem Reichtum und mit einem unermesslichen Bildungsangebot auf – aber er schaut halt am liebsten fern und hat mit 18 Jahren immer noch Probleme damit, vollständige Sätze zu bilden. Als Leser begleiten wir ihn während seiner Ausbildung, wie er zum ersten Mal mit dem weiblichen Geschlecht Bekanntschaft macht, wie er zum ersten Mal twittert oder wie er ungelenk durch seine ersten Staatsbesuche stolpert - die Parallelen zwischen Fracassus und dem nie genannten, aber offensichtlich gemeinten Donald Trump sind überwältigend

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Howard Jacobson: Pussy

Aus dem Englischen von Johann Christoph Maass
Klett-Cotta
272 Seiten
16 Euro

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Fazit

Howard Jacobson ist ein brillianter Schriftsteller, der "Pussy" im ersten Schrecken nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten geschrieben hat. In seinem wütenden Buch nutzt eine feine, sehr kultivierte Sprache als Werkzeug um zwischen den Zeilen zum Ausdruck zu bringen, was Fracassus/Trump am meisten fehlt. Das ist sprachlich gelungen und anspruchsvoll, das ist nicht platt, da steckt eine Menge schwarzer Humor drin. Aber leider kann dieses Buch die Realität nicht überbieten und so bleibt einem das Lachen oft genug im Halse stecken. Denn es geht Howard Jacobson nicht in erster Linie darum, auf Trump draufzuhauen, sondern auf uns alle, auf die Gesellschaft, die wir geformt haben und die einen Präsidenten Trump erst möglich gemacht hat.

Vorgestellt von Bianca Schwarz

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 19.1.2018

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