Buchcover: Juli Zeh "Leere Herzen"
Bild © Luchterhand Verlag

Spätestens seit ihrem von der Kritik zu Recht hochgelobten Roman "Unterleuten" ist Juli Zeh ein Begriff. Ihre Protagonisten sind oft so überzeugend gezeichnet, dass man glaubt, sie zu kennen. Das gilt auch für ihren neuen Roman "Leere Herzen", der in der nahen Zukunft spielt.

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zum Artikel Juli Zeh: "Leere Herzen"

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Julie Zeh hatte bereits in ihrem Roman "Corpus Delicti" die bedrohliche Zukunftsvision eines allgegenwärtigen Überwachungsstaates entworfen. Worum geht es diesmal? Leere Herzen – was ist damit gemeint? Dystopien sind derzeit en vogue. Das ist sicherlich auch ein Zeichen für die derzeit weltweit herrschenden politischen Verhältnisse. Eine rechtspopulistische Partei, die "Besorgte Bürger Bewegung", stellt inzwischen in Berlin die Regierung, schränkt peu á peu die Bürgerrechte ein. Doch die Hauptprotagonisten fühlen sich davon nicht betroffen. Sie sind innerlich leer, haben sich aus dem politischen Geschehen abgemeldet. Und dann gibt es noch Suizid- Kandidaten, die auch mit dem derzeitigen Leben nicht zurande kommen.

Eine Thema, mit Variationen

Juli Zeh hat sich ein perfides Geschäftsmodell ausgedacht. Ihre Hauptprotagonistin Britta und ihr Helfer Babak haben eine Heilkundepraxis namens "Brücke" gegründet.  Sie spüren Selbstmordkandidaten auf, prüfen, ob sie wirklich Selbstmord machen wollen. Die meisten springen dann doch ab und kehren ins Leben zurück, belohnen dafür die "Brücke" fürstlich. Ein paar aber geben nicht auf. Ihnen wird angeboten, auf eine möglichst spektakuläre Art und Weise als Märtyrer für einen Sache aus dem Leben zu scheiden. Gelenkte Terroranschläge mit überschaubaren Opferzahlen, Schluss mit dem Terroranarchismus – die Regierung jedenfalls schaut weg.

Weitere Informationen

Juli Zeh: Leere Herzen

Luchterhand Verlag
350 Seiten
Buch 20 Euro
Kindle 15,99 Euro
Hörbuch (gelesen von Ulrike C. Tscharre)
Der Hörverlag
14,95 Euro

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Juli Zeh hat einen veritablen Thriller geschrieben, der immer mehr Fahrt aufnimmt. Geschickt versteht sie die Spannung zu steigern. Es kommt zu einem grandiosen, wirklich überraschenden, durch und durch politischen Finale. Trotz all dieser klassischen Spannungselemente vergisst die Schriftstellerin nie, humorvoll und mit leicht ironischem Tonfall zu erzählen.

Fazit

Juli Zeh beobachtet ihre Umwelt sehr genau, legt sehr viel Wert auf Stimmungen und überrascht immer wieder mit hintergründigen Bemerkungen. Kleine Lebensweisheiten, Randbemerkungen zu Charaktereigenschaften und Lebensverhältnissen machen den Roman zu weit mehr als einer Thrillerlektüre – es ist das Sittenbild einer aus den moralischen Fugen geratenen Gesellschaft.

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