Buchcover: Das Glück des Zauberers
Buchcover: Sten Nadolny: Das Glück des Zauberers Bild © Piper Verlag

"Allem Zauber wohnt ein Anfang inne" – so müsste Hesses berühmter Satz für dieses Buch umgeschrieben werden. In Sten Nadolnys neuem Roman geht es um einen über 100 Jahre alten Zauberer, der seiner Enkelin von seinem Leben in Deutschland erzählt, von den beiden Weltkriegen, von der Hippie-Bewegung und von der gesellschaftlichen Kälte der letzten Jahre.

Der überaus übertriebene Lebenslauf eines Zauberers

Pahroc ist Berliner und Zauberer und Sten Nadolny hat ihm auch darüber hinaus eine reiche Biografie verpasst: Er ist Sohn eines Indianers und einer deutschen Tänzerin, er hatte diverse Jobs von Elektriker und Pyrotechniker über Küster und Organist zu Fluchthelfer und Privatpilot. Er ist ein absoluter Technikfreak, er hat eine große Liebe namens Emma und er hat einen Gegner, seinen Jugendfreund und Zauberkollegen Schneidebein. All das erzählt Pahroc seiner Enkelin Mathilda in Briefform. Als er mit den Briefen beginnt, ist er 106 Jahre alt, im Alter von 111 Jahren im Mai 2017 stirbt der Zauberer. Insgesamt sind es 12 Briefe, beim ersten ist Mathilda gerade ein paar Monate alt. Nadolny führt uns an einer gespiegelten Realität durch unsere Geschichte.

Fazit

Weitere Informationen

Sten Nadolny: Das Glück des Zauberers
Piper Verlag
322 Seiten für 22 €

Ende der weiteren Informationen

„Das Glück des Zauberers“ ist Gesellschaftskritik, scharfe Beobachtung und spitze Formulierung. An manchen Stellen mag es etwas kitschig sein und die Ratschläge fürs Leben etwas altbacken, aber so muss sich das in einem Opa-Enkelin-Monolog vielleicht auch anfühlen. Unsicher mögen so manchen die Kriegsschilderungen im Tonfall des liebevoll-witzigen Großvaters machen, an manchen Stellen scheinen sich Leichtigkeit und Historie zu beißen. Aber Sten Nadolny kriegt immer wieder die Kurve und ihm zu folgen wird nie unangenehm. Es ist ein sehr ironisches und kluges Buch mit doppeltem Boden, es ist übertrieben übervoll und dadurch nie langweilig. Man sollte aber mit dem gesetzten Rahmen zurechtkommen, denn wenn man Briefe an die Enkelin per se schon für eine kitschige Idee hält, dann lieber die Finger davon lassen

Vorgestellt von Bianca Schwarz

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 14.9.2017, 8:30 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit