Das Cover des Buchs "Jazz hören - Jazz verstehen" von Tedd Gioia
Das Cover des Buchs "Jazz hören - Jazz verstehen" von Tedd Gioia Bild © Henschel Verlag

Wer "richtig" zuhören kann, wer weiß, worauf man achten muss, der wird Jazz auch ohne Musiktheorie und Partituren verstehen - davon ist Tedd Gioia überzeugt.

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Das Cover des Buchs "Jazz hören - Jazz verstehen" von Tedd Gioia

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie man beim Jazz "richtig" zuhört...

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Wer mal einer richtig guten Jazzband zugesehen hat – und kein Experte auf dem Gebiet ist - der weiß: Das ist ein bisschen wie sich ein spannendes Match einer Sportart anzuschauen, deren Regeln man nicht gut kennt. Auf der Bühne passiert beeindruckendes, es ist schnell, geschickt, irgendwie magisch und doch bräuchte man wie bei der Fußballübertragung die Zeitlupe, um verstehen zu können, was genau da gerade los ist. Der US-Jazzpianist und Musikkritiker Tedd Gioia ist der Meinung, dass man das ganze Spektakel entmystizifieren kann, wenn man nur weiß, wie man richtig zuhört. Und das erklärt er in seinem Buch.

Nicht abschrecken lassen von dem trockenen Titel!

Der Titel „Jazz hören – Jazz verstehen“ mutet ja sehr trocken an – das Buch ist es tatsächlich nicht. Tedd Gioia versteht es, den Jazz mit nur wenig Musiktheorie zu vermitteln. Auf den ersten 50 Seiten legt er eine Grundlage für das richtige Hören, erklärt, wie wichtig der Rhythmus ist für eine Jazzband. Dann legt er den Fokus auf den Aufbau von Phrasen, auf Tonhöhe und Klangfarbe, auf Dynamik, auf Persönlichkeit und zuletzt auf Spontanität. Nach diesem theoretischen ersten Drittel liefert er eine historische Zusammenfassung mit Überblick über die Entstehung des Jazz, die wichtigsten Städte wie New Orleans oder Kansas City, die bedeutendsten Musikstile und genreprägendsten Interpreten. Im Anschluss erklärt er was ihr Spiel oder ihren Gesang ausgezeichnet hat, gibt zu jedem Musiker Hörempfehlungen zu den wichtigsten Werken. Als letztes befasst er sich mit dem Hören heute, das sich für ihn stark unterscheidet vom Hören einer alten Jazz-Aufnahme. Für ihn liegt das daran, dass die Musiker heute ganz anders ausgebildet, unsere technischen Aufnahmemöglichkeiten auch anders sind und hier auf andere Details zu achten ist.

Weitere Informationen

Ted Gioia: Jazz hören, Jazz verstehen

Aus dem Englischen von Sven Hiemke
Henschel
208 Seiten
24,95 Euro

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Fazit

Ted Gioia schafft es tatsächlich, sein gesetztes Ziel, das Hören zu verändern, auch zu erreichen. Für dieses Buch muss man sich Zeit nehmen, es erfordert, dass man parallel Musik anhört und das Buch immer wieder zur Seite legt. Kritisch lässt sich anmerken, dass Ted Gioia aus einem sehr amerikanischen Blickwinkel schreibt. Soll heißen: Zum einen kommt zum Beispiel europäischer Jazz kaum vor. Zum anderen: Er erklärt manchmal Dinge aus dem Jazz mit Baseball- oder Basketballspielen, wenn man sich da ebenfalls nicht auskennt, macht es das Verständnis nicht leichter. Trotzdem: Jazzinteressierten Einsteiger sind mit diesem Buch gut beraten, es konzentriert sich auf die Jahre von 1920 bis 1960/70, gibt Ausblicke in die Gegenwart, vermittelt leichtfüßig und mit vielen Anekdoten profundes Musikwissen.

Vorgestellt von Bianca Schwarz

Sendung: hr2-kultur, hr2-Kulturfühstück, 06.02.2018, 08:30 Uhr

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