Der Begriff des "Postfaktischen" hat es, bevor er überhaupt von allen verstanden war, gleich zum „internationalen Wort des Jahres“ geschafft. Während die Basis auf die „Lügenpresse“ und die verlogene Politik schimpft, geben diese den Vorwurf zurück an eine Gesellschaft, die sich mit Halbwahrheiten und Behauptungen begnügt, die nicht nach seriösen Quellen sucht, bevor sie öffentlich ihr „Like“ unter eine scheinbare Wahrheit setzt.

Die Trennung von Lüge und Wahrheit wird indessen immer schwieriger. Schweigen kann wahrhaftig sein und zum Guten führen, während das Offenlegen aller Wahrheiten unter Umständen tödlich ist. Das gilt nicht nur für Zeiten des Widerstandes gegen diktatorische Mächte, sondern auch in Situationen, in denen beispielsweise ein Journalist oder Polizist sich fragen muss, ob er die Herkunft des Übeltäters preisgeben oder besser verschweigen sollte. Die ethische Verpflichtung zur Wahrheit, basierend auf dem Gebot „Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen“ steht auf dem Prüfstand.

Ein Beitrag von Maria Riederer.

Sendung: hr2-kultur, Camino, 21.01.2017

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit