Soirées de Paris wurde in einem Zeitraum von etwa drei Wochen, zwischen dem 24. August und dem 17. September 1979, geschrieben und war für eine Veröffentlichung in der Zeitschrift "Tel Quel" bestimmt, zu der es allerdings durch den plötzlichen Unfalltod Roland Barthes‘ im März 1980 nicht mehr kam. In einer Notiz nannte er diesen Text auch "Die Vergeblichen Abende".

Roland Barthes, der genaue Beobachter und Analytiker des Alltags, ist es auch hier in diesen scheinbar nebensächlichen Notaten, die "das tägliche Kleingeld seiner Zeit" festhalten und das ruhelose, nächtliche Umherstreifen durch die Pariser Restaurants, Cafés und Bars beschreiben. Die allabendliche Suche nach einem unverhofften Glück, einer unerwarteten Begegnung, und sei es auch nur ein rasches sexuelles Abenteuer, gerät in der Niederschrift zum schonungslosen Beleg einer unsagbaren Einsamkeit – mit der am Ende traurigen Einsicht, alt geworden zu sein, und das heißt: nicht mehr begehrenswert.

Das Tagebuch steht in seinem Bemühen um Aufrichtigkeit in einer langen Tradition der französischen Literatur: von Michel Leiris' radikaler Selbsterkundung Mannesalter über die Tagebücher Gides und Stendhals bis hin zu den Bekenntnissen Rousseaus oder Montaignes Essais. "Nie zuvor hat Roland Barthes etwas Vergleichbares wie die Pariser Abende geschrieben, nie hat er der Lust einen solchen Raum gewonnen und zugestanden, um sie Abend für Abend wieder sterben und sie schließlich völlig versiegen zu lassen." [Hanns-Josef Ortheil]

Zur Ursendung hieß es in der Funkkorrespondenz: "… eine ganz vorzügliche Hörfassung. […] Für sich genommen sind es lose Notizen zu Begegnungen und Lektüren, versehen mit knappen Kommentaren und darin ohne roten Faden. Und doch bricht sich die Sehnsucht nach einer Liebesbeziehung Bahn, wird ein durchgängiger Ton der Melancholie vernehmbar, der Pariser Abende als einen Diskurs kenntlich macht."

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