"Allein auf der C-Saite der Bratsche lassen sich Geschichten erzählen, die auf keinem anderen Streichinstrument denkbar wären", sagt der Komponist Jörg Widmann. Allerdings wird "Artist in Residence" Antoine Tamestit keinen Auftrittsapplaus bekommen, wenn das für ihn komponierte "Viola Concerto" von Jörg Widmann auf dem Programm steht. Vielmehr wird er zunächst unauffällig neben den Harfen sitzen, etwas klopfen, etwas zupfen, seine Bratsche erkunden.

Antoine Tamestit, Viola
Mojca Erdmann, Sopran
Leitung: Andrés Orozco-Estrada

Jörg Widmann: Viola Concerto
Ives: The Unanswered Question
Mahler: 4. Sinfonie G-Dur

(Aufnahmen vom 18. und 19. Januar 2018 aus dem Großen Saal)

"Der Dirigent reagiert leicht irritiert", so steht es in Widmanns Partitur. Tamestit wird mit seinem Instrument durch das Orchester wandern, irgendwann den Bogen ergreifen, als hätte er Siegfrieds Schwert Notung gefunden. Es ist ein geradezu szenisches Konzert, ein Hörtheater, das Widmann 2015 für den französischen Bratscher komponiert hat. Ein Musiker bewegt sich räumlich durch fremde Welten, er kommt dabei auch an so exotischen Schlaginstrumenten wie Peking-Oper-Gong und Wasser-Tamtam vorbei, auf der Suche nach sich selbst. In Mahlers "Vierter", die so lustig mit kleinen Schellenglöckchen beginnt, wird nicht weniger als das himmlische Leben gesucht. Ganz plastisch, ganz szenisch komponierte auch er: einen klaren Blick auf die ganze Welt wie durch Kinderaugen.

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