Frau hält sich mit beiden Händen ein Taschentuch vor die Nase

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Man sitzt im Konzert, das Stück hat längst begonnen, das Orchester spielt mal wieder phänomenal, auch der Dirigent ist in Hochform. Bei den lauten Stellen, wenn‘s so richtig kracht, sind alle ganz entspannt, keiner hustet oder niest, und auch die Mobiltelefone schweigen. Und dann, im langsamen Satz, wenn es besonders berührend wird, wenn z. B. das Englischhorn gerade zum Solo ansetzt, wenn ein magischer Moment entsteht – dann passiert‘s. In der Nase kribbelt‘s, im Hals juckt‘s ohnehin schon länger, und endlich kommt der so sehnlich erwartete Rückruf vom Enkel, der Oma, dem Papa, der Tante oder dem Freund.

Es gibt Untersuchungen darüber, warum es im Publikum laut wird, wenn es auf dem Konzertpodium leise ist. Wirklich erklären kann das Phänomen aber niemand. Es gibt Hinweisschilder, das Handy auszuschalten, auch entsprechende Bitten im Programmheft. Vor dem Konzert werden Hustenbonbons verteilt. Man könnte auch einfach mit der Erkältung zu Hause husten und das Konzert trotzdem live in hr2-kultur verfolgen. Und dennoch passiert‘s immer wieder. Und vorzugsweise bei den leisen Stellen.

Mobiltelefone klingeln im Konzert ganzjährig. Husten und Niesen haben jetzt wieder Hochsaison, durch den Winter hindurch bis zum Frühjahr, wenn die ersten Pollen fliegen. Ich lade Sie ein, meine Damen und Herren, zu einer Kurz-Kur, einer Art Grundimmunisierung. Lassen Sie uns gemeinsam alle Huster, Nieser und alles Klingeln für den Rest der Konzertsaison unterbringen.

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