Antoine Tamestit

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Das "Viola Concerto" von Jörg Widmann ist ein ausgeklügeltes Spiel mit der Gattung Solokonzert. Und es ist ein ungewöhnliches Konzertereignis, das manche Skurrilitätenkabinett bietet. Zu Beginn gibt nicht etwa der Dirigent den Einsatz, sondern der Solist klopft, im Orchester sitzend, auf der Bratsche herum. Seinen Bogen muss er später irgendwo im Orchester finden. Immer wieder nimmt der Solist die Rolle eines Schauspielers ein, der in einer Mischung aus Stolz und Selbstironie detaillierte Regieanweisungen ausführt. Aber nicht nur er. An einer Stelle in der Partitur heißt es etwa: "Der Dirigent reagiert leicht irritiert". Erst am Schluss steht der Solist an der Stelle, wo man die Bratsche in einem Solo-Konzert erwarten würde – neben dem Dirigenten.
Jörg Widmann sagt zu seinem rund 20-minütigen Werk: Für mich ist die Bratsche in erster Linie immer ein außerordentliches Gesangs-Instrument gewesen. Kammermusik mit Bratsche zu musizieren, gehört für mich als Musiker zum Allerschönsten. Allein auf der C-Saite der Bratsche lassen sich Geschichten erzählen, die auf keinem anderen Streichinstrument denkbar wären. In meinem "Viola Concerto" ist die Szenerie über weite Strecken in ein utopisches Land verlegt: am Anfang in eine fremd-tastende Sphäre, ausschließlich von Bratschen-Pizzicati in allen möglichen und unmöglichen Varianten bevölkert; dann als sehnsüchtiger Gesang aus einem imaginären orientalischen Märchenland; schließlich ein Sturz in artistisch-absurde Virtuositäts-Kaskaden, die das Herzstück des Werkes, eine Aria für Bratsche und extrem gedämpfte Streicher, einleiten; ein schmerzlich-inniger Abgesang auf eine versunkene Welt, die erst auf den letzten Metern in eine grelle Realität gezerrt wird."

Charles Ives wurde 1874 geboren. Der Sohn eines US-Armee-Kapellmeisters erhielt schon sehr früh ersten Musikunterricht bei seinem Vater. Später studierte er an der Yale-Universität Musik. Auf Anraten des Vaters hatte sich Charles Ives jedoch dazu entschlossen, einen konventionellen Beruf zu ergreifen. Daher begann er seine Laufbahn bei einer Lebensversicherung, wobei er nebenher bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr als Organist tätig war. Musik komponierte Ives in seiner Freizeit. Doch die meisten seiner Werke blieben viele Jahre lang unaufgeführt. Das lag vielleicht an seiner Konsequenz, Dissonanzen einzusetzen und an seiner Experimentierfreude. Eines der ersten und auffallendsten Beispiele für diese Experimentierfreude ist "The Unanswered Question" aus dem Jahr 1906, ein Werk, das er für eine ungewöhnliche Besetzung schrieb: für Trompete, vier Flöten und Streichquartett. Später folgte auch eine Orchesterfassung, die wir in den hr-Sinfoniekonzerten hören werden. In seinem vermutlich bekanntesten Werk stellt Ives musikalisch die "immerwährende Frage der Existenz". Wie diese Frage genau lautet, darüber schweigt sich der Komponist allerdings aus. Die Streicher spielen während des ganzen Stücks eine sehr langsame, choralähnliche Folge reiner Akkorde. Plötzlich durchbricht die Trompete diesen Streicherteppich mit einer kurzen Meldoieophrase, die wie eine Frage im Raum schwebt. Die Flöten antworten. Siebenmal gibt die Trompete zunächst ein kurzes Motiv vor, das Ives als „die ewige Frage der Existenz“ beschrieb. Sechsmal suchen die Flöten eine Antwort – immer anders und immer schroffer. Am Ende jedoch bleibt die Frage unbeantwortet.

Gustav Mahlers vierte Sinfonie entstand im Jahre 1900. Sein Lebenstraum hatte sich damals bereits erfüllt. Schon drei Jahre zuvor war er zum Direktor der k.u.k. Hofoper in Wien ernannt worden, zum "Gott der südlichen Zonen", wie er es nannte. Die anstrengenden Tagespflichten als Hofoperndirektor ließen Mahler kaum mehr Zeit für seine kompositorische Arbeit. Bereits 1899 hatte er die vierte Sinfonie begonnen, doch erst im Sommer 1990 in seiner Villa am Wörthersee fand er die nötige Ruhe, um die Arbeit an ihr fortzusetzen. Im Gegensatz zu den drei vorangegangenen Sinfonien bewegt sich die Vierte in idyllisch-heiteren Sphären. Wie mit dem Blick eines Kindes entwirft hier Mahler eine aufreizend naive musikalische Bilderwelt. Die Vierte Sinfonie wurde sehr schnell populär. Wahrscheinlich spielt das für Mahler eher kleine Orchester auch eine Rolle, aber wesentlich war sicherlich die sanfte und bewegende Musiksprache, die das Publikum faszinierte. Die Uraufführung allerdings war sicherlich nicht nach dem Geschmack Mahlers: der erste Satz mit seinen einfach gehaltenen Themen verblüffte das Publikum, so dass die Aufführung begleitet war von protestierendem Zischen und zustimmendem Applaus. Der Schweizer Kritiker William Ritter erinnerte sich später: "Ich wehrte mich gegen diese Musik. Ich verdammte sie aufgrund meiner Überzeugungen. Aber – damit kämpfte ich gegen mein eigenes Vergnügen, denn in Wirklichkeit mochte ich sie. Nun habe ich meinen Widerstand aufgegeben und verehre diese Musik." Und doch ist die Vierte unter allen Mahler-Sinfonien diejenige gewesen, die letztlich am schnellsten populär geworden ist. Ursprung und Keimzelle der vierten Sinfonie ist das Lied-Finale "Wir genießen die himmlischen Freuden", das Mahler bereits 1892 komponiert und ursprünglich als abschließenden siebten Satz seiner dritten Sinfonie verwenden wollte. Es geht auf einen Text der Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" von Clemens Brentano und Achim von Arnim zurück und beschreibt in heiterem Ton die kindlichen Freuden himmlischer Seligkeit.

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