Ursula Böhmer berichtet vom Wettbewerb der Peter Pirazzi Stiftung. Und wir gedenken zweier ehemaliger Orchestermitglieder, die kürzlich verstorben sind.

Wettbewerb der Peter Pirazzi Stiftung

Fast jeder Streichinstrumentenspieler, der ‘was auf sich hält, hat sie schon mal unter den Fingern gehabt – die Saiten der Firma Pirastro aus Offenbach bei Frankfurt. Schon im 18. Jahrhundert wurde das Unternehmen, das neben Streicher-Saiten auch Kolophonium herstellt, gegründet - von dem Italiener Giorgio Pirazzi. Nach einem seiner Nachfahren, Peter Pirazzi, wurde vor gut 25 Jahren eine Stiftung benannt, die hochbegabte Schüler und Studierende fördert – auch in Form eines Wettbewerbs, der sich an Geiger, Bratscher, Cellisten und Kontrabassisten richtet. Heute ist es wieder soweit: 14 Nachwuchsmusiker spannen in Dr. Hoch’s-Konservatorium den ganzen Tag über ihre Bögen – in Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn, Franz Anton Hoffmeister und Carl Ditters von Dittersdorf. Publikum ist erwünscht – der Eintritt frei. Weil der Wettbewerb in diesem Jahr erstmals in Kooperation mit dem hr-Sinfonieorchester ausgerichtet wird, sitzen in der Jury auch mehrere Orchestermusiker. Ursula Böhmer hat sich im Vorfeld des Wettbewerbs schon mal bei ihnen und einem Wettbewerbskandidaten umgehört.

Im Gedenken an Timm-Johannes Trappe und Bernhard Schmid

In den hr-Sinfoniekonzerten am 18. und 19. Januar wurde nach der Pause „The unanswered question“ von Charles Ives gespielt. In dem Stück spielen die Streicher eine sehr langsame, choralähnliche Folge reiner Akkorde. Die Trompete durchbricht diesen Streicherteppich mit einer kurzen Melodiephrase, die wie eine Frage im Raum schwebt. Die Flöten antworten. Siebenmal gibt die Trompete zunächst ein kurzes Motiv vor, das Ives als „die ewige Frage der Existenz“ beschrieb. Sechsmal suchen die Flöten eine Antwort – immer anders und immer schroffer. Am Ende jedoch bleibt die Frage unbeantwortet.

Die Trompetensignale wurden von zwei aktiven und einem ehemaligen Solotrompeter unseres Orchesters gespielt. Balázs Nemes saß im Orchester, im Raum verteilt waren Jürgen Ellensohn und Reinhold Friedrich – als Reminiszenz an zwei in den letzten Wochen verstorbene ehemalige Kollegen: den Kontrabassisten Timm-Johannes Trappe und den Solo-Trompeter Bernhard Schmid.

Timm-Johannes Trappe studierte Kontrabass bei Prof. Rainer Zepperitz in Berlin und bei Prof. Günter Klaus. 40 Jahre lang, von 1968 bis 2008, war er Kontrabassist im Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt. Daneben war er Dozent an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt und Mitbegründer des Ensemble Concertant Frankfurt, einem Streichquintett mit Kontrabass, das sich neben den bekannten vor allem unbekannten klassischen und romantischen Meisterwerken des 18. und 19. Jahrhunderts widmet.

Bernhard Schmid stammte aus einer Laienmusiker-Familie. Er genoss zunächst eine Ausbildung zum Buchdrucker, bevor er am Konservatorium Zürich studierte. Seine Hauptfachlehrer waren Louis Duquenoy und Henri Adelbrecht. Von 1965 an war Bernhard Schmid zunächst für zwei Jahre Trompeter im Tonhalle-Orchester Zürich, dann für zwei Jahre Solo-Trompeter im hr-Sinfonieorchester. 1969 ging er für wiederum zwei Jahre nach Zürich. Danach kehrte er zum hr-Sinfonieorchester zurück, wo er bis 1987 Solo-Trompeter und dann bis 2004 stellvertretender Solo-Trompeter war. Er war Mitglied des Bach-Collegiums Stuttgart unter der Leitung von Helmuth Rilling, Initiator und Leiter des Frankfurter Blechbläser-Ensembles und gehörte zu den Gründungsmitgliedern von hr-brass. Bernhard Schmid unterrichtete unter anderem an der Musikhochschule in Saarbrücken und an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt.

Die Musiken

Mendelssohn Violinkonzert e-Moll op. 64 (Hilary Hahn / Paavo Järvi)
Onslow Sextett Es-Dur op. 30 für Klavier, 2 Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass, 1. Satz (Gianluca Luisi / Ensemble Concertant Frankfurt)
Neruda Trompetenkonzert Es-Dur (Bernhard Schmid / Jiri Stárek)
Sibelius 1. Sinfonie e-Moll op. 39 (Santtu-Matias Rouvali)

Sendung: hr2-kultur, Treffpunkt hr-Sinfonieorchester, 20.01.2018, 10:04 Uhr

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