Jace Clayton bei der Installation von "White Noise"

Der Wiesbadener Follow-Fluxus-Stipendiat, der amerikanische Künstler und Musiker Jace Clayton, widmet sich einem Geräusch, das sowohl der Ozean macht als auch fließender Verkehr: Das Weiße Rauschen. Was hören wir da? Was in unseren Ohren nicht viel mehr als ein "schhhhhhhh" ist, nutzt Clayton für einfallsreiche Installationen, in denen wir die Klimakrise hören können oder zu elektronischen Beats tanzen.

Alle Frequenzen, alle Töne, ein Geräusch

Der Titel der Ausstellung lautet "White Noise as a Call to Responsibility" - "Weißes Rauschen als Aufruf zur Verantwortung". Für die Klimakrise. Die Bilder kennen wir – Dunstglocken über Großstädten, Überschwemmungen, Dürren – und wir haben uns zunehmend daran gewöhnt.

Was tun wir, was hören wir?

Jace Clayton aber schafft eine interessante Wendung des Problems, indem er die Klimakrise hörbar macht. Denn viele Klimakiller verursachen das Weisse Rauschen, bei dem alle Frequenzen gleichzeitig zu hören sind, z.B. Autos, Klimaanlagen und Flugzeuge. Die Geräusche von all den Maschinen, die wir im Alltag gerne nutzen, deren unmittelbare Auswirkung aufs Klima wir aber gerne ausblenden, werden hier in den Vordergrund gestellt und betont: Ein leise rauschendes Alarmsignal, dass unmittelbare körperliche Auswirkungen auf den Körper hat - man wird als Besucher der Ausstellung regelrecht kribbelig.

Kurz, kurz, lang - White Noise als Tanzmusik

In einer anderen Arbeit zeigt Jace Clayton, dass das Weisse Rauschen nicht nur für Negatives steht. Es kann auch individuelle Freiheit, Tanz, Rhythmus bedeuten. Etwa, wenn man das Weisse Rauschen in kleinste Schnipsel zerpflückt. Der Sound ist knackig und kurz, auch in der Installation "White Noise Night Sweats" von Clayton, in der ein bunter Kabelsalat wild blinkende Module eines Modularsystems miteinander verbindet: ein ausgeweideter technischer Apparat, aufgebahrt in einer gläsernen Vitrine. Die kurzen Rhytmen wechseln, wiederholen sich aber auch zu einem gewissen Grad. Der Rhythmus animiert zum Mitwippen, sogar ein wenig zum Tanzen. Eine pulsierende Hommage an die elektronische Tanzmusik und die individuelle Freiheit, für die sie steht.

Fazit

"Mehr hören, weniger sehen", ist das Credo dieses Künstlers. Und es funktioniert. Weil das Konzept stimmig ist – und der Ansatz so ungewöhnlich und spannend: Wann hat man sich schonmal Gedanken darüber gemacht, wie die Klimaerwärmung klingt? Das zu hören, hat eine Wucht – vor allem deshalb, weil der Hörsinn jener Sinn ist, der uns evolutionsbedingt am unmittelbarsten und tiefsten trifft. Vielleicht hilft es ja tatsächlich. Wer aus dem Kunstverein in Wiesbaden heraustritt wird die Welt – und ihre Geräusche – auf jeden Fall sehr viel aufmerksamer hören. Zumindest für eine Weile. Jace Clayton wird dem Follow-Fluxus-Stipendium absolut gerecht. Hoffentlich werden wir in Zukunft noch jede Menge von ihm zu hören bekommen!


Follow Fluxus 2019:
Jace Clayton – White Noise as a Call to Responsibility
Nassauischer Kunstverein Wiesbaden
bis 24. Mai 2020

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 23.8.2019, 7:30 Uhr

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