Podcast Dichtung - wie viel Freiheit nehme ich mir

Stilisierte Uhr

Ein Autor greift die Geschichte einer Jüdin in der NS-Zeit auf und macht eine eigene Geschichte daraus, die viele Leser verstört. Ein Schriftsteller erzählt einem Regisseur von seinem Leben in der DDR und distanziert sich dann vom fertigen Film, weil er in der Hauptfigur ein Zerrbild seiner selbst erkennt. Ein Roman-Autor und bekennender Europäer lässt einen EU-Kommissions-Präsidenten, den es gegeben hat, in Auschwitz eine Rede halten, die es nicht gegeben hat, und zieht sich damit den Zorn von anderen bekennenden Europäern zu. Wer ist nun schuld an der öffentlichen Enttäuschung, dem Entsetzen, der Empörung? Die Autoren? Aber haben sie nicht die dichterische und künstlerische Freiheit, reale Hintergründe zu etwas anderem zu verarbeiten? Und dürfen sie nicht erwarten, dass auch andere zwischen Wahrheit und Dichtung unterscheiden können? Wie wahr müssen Geschichten sein, wenn sie sich an Biographien orientieren? Andererseits: Je mehr sich Autoren von Büchern und Filmen als Chronisten, Journalisten oder gar als Aufklärer verstehen, desto höher scheint auch der Wahrheitsanspruch ihrer Dichtung zu werden. Wie sehr also sind Autoren auch dann noch der Realität verpflichtet, wenn sie in ihren Werken eine Fiktion daraus machen?

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