Podcast Gehasst und gebraucht – Reizfigur Anwalt

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"Man darf keine Angst haben, sich unbeliebt“ zu machen - sagt Wolfgang Heer über seinen Beruf. Er ist Anwalt und einer der Pflichtverteidiger von Beate Zschäpe im NSU-Prozess und hat diese Angst nicht: soeben bezeichnete er das ganze Verfahren als unfair und forderte Freispruch für seine Mandantin. "Wie kann man nur?“ fragen sich da manche, sicher auch wenn es um den Anwalt von Harvey Weinstein geht: der hat vorher schon Dominique Strauss-Kahn und andere Prominente verteidigt - seine Spezialität: Zeugen der Anklage in Grund und Boden befragen. Und warum? Vielleicht aus Geltungssucht und Geldgier? So wird es in unzähligen Anwaltswitzen verbreitet. Kaum ein Berufsstand zieht eine so beeindruckende Gehässigkeit auf sich. Vor allem der Strafverteidiger ist eine Reizfigur, wenn er Leute verteidigt, die wir unsympathisch, dubios und natürlich schuldig finden. Aber was ist, wenn wir selber, oder Menschen, die wir mögen, einen Anwalt brauchen? Dann verwandelt sich der Rechtsverdreher in den Retter vor Willkür und ungerechter Verfolgung. Dabei tut der Anwalt grundsätzlich in allen Fällen das Gleiche. Er sorgt dafür, dass seine Mandanten ein verfassungsmäßiges Recht wahrnehmen können: vor Gericht nicht ohne Verteidigung dazu stehen. Und je parteiischer und einseitiger er das tut, desto besser ist er.

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