Der Musikwissenschaftler Albrecht Dümling hat sich eines lang vergessenen Themas angenommen - des Musikbetriebs im Nationalsozialismus und des Verschweigens danach.

Im nationalsozialistischen Weltbild spielte Kunst eine bedeutende Rolle. Voran die Musik, die „deutscheste“ aller Künste. Wer Musik machen wollte, musste Mitglied der Reichsmusikkammer sein, eine Gründung des Propagandaministeriums, die sich an der Spitze mit prominenten Namen wie Richard Strauss und Wilhelm Furtwängler schmückte.

Die Kammer entschied, wer Musik machen durfte. Juden, Neutöner, Kommunisten waren von der Mitgliedschaft und damit von Aufführungen in Deutschland ausgeschlossen.

Zum Höhepunkt der Kampagne eröffnete im Mai 1938, im Rahmen der „Reichsmusiktage“ in Düsseldorf, die Ausstellung „Entartete Musik“, angelehnt an die „Entartete Kunst“, die ein Jahr zuvor in München die moderne Malerei stigmatisiert hatte.

Nach dem Krieg waren Täter und Opfer schnell vergessen. Die einen kehrten zurück in ihre Positionen, die anderen, sofern sie überlebt hatten, umgab weiterhin Schweigen. Auch die musikalische Nachkriegs-Avantgarde hatte kein Interesse, an Komponisten wie Erwin Schulhoff, Hans Krasa oder Gideon Klein zu erinnern.

Erst im Jahre 1988 lüfteten Peter Girth, Intendant in Düsseldorf (später am Staatstheater Darmstadt) und Albrecht Dümling den Mantel des Schweigens. Der Berliner Musikwissenschaftler und Journalist rekonstruierte die schandhafte Ausstellung; in einer mobilen Version wandert sie seither durchs In- und Ausland. Zugleich initiierte Albrecht Dümling unter dem Titel „Musica reanimata“ eine Konzertreihe, in der die damals unterdrückte Musik und ihre Komponisten endlich zu ihrem Recht kommen.

Dreißig Jahre danach erzählt der unermüdliche und stets neugierige Musikforscher im „hr2-Doppelkopf“ von seinen Entdeckungen, seiner Motivation und den Verdrängungsmechanismen des Musikbetriebs. 

Gastgeber: Andreas Bomba

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