Es war nicht nur das Cello, das Anita Lasker-Wallfisch und ihrer Schwester Renate im Konzentrationslager Auschwitz das Leben rettete, sondern auch der Mut der beiden Schwestern aus Breslau.

Als "Mädchenorchester" bezeichneten Nationalsozialisten im Staatsdienst die Gruppe von Frauen, die nicht vergewaltigt und ermordet wurden, sondern zur Vergasung ihrer Verwandten aufzuspielen hatten. "Wir hatten große Angst vor Alma Rosé", sagt Anita Lasker-Wallfisch im Gespräch mit Jochanan Shelliem. Dass die Nichte Gustav Mahlers - Alma Rosé war selbst Geigerin - die 47 Musikerinnen mit eiserner Härte antrieb, hing in dieser Situation eher mit ihrem Überlebenswillen zusammen als mit dem Wunsch nach künstlerischer Harmonie. "Wir konnten alles sehen", sagte Anita Lasker-Wallfisch 2015 im Deutschen Bundestag, bevor sie das, was sie damals sah, in ein poetisches Bild fasste. Sie sah, "wie die Menschen in Rauch verwandelt wurden".

Die beiden Schwestern erlebten ihre Befreiung im KZ Bergen-Belsen. Ihren Kindern erzählte Anita Lasker-Wallfisch nach dem Krieg jahrzehntelang nichts von ihrer Entwürdigung. Vor Jahren erst schrieb sie ihre Autobiographie "Ihr sollt die Wahrheit erben", die später im S. Fischer-Verlag erschien. Es ist ein nüchternes Gespräch über eine Zeit, die manche gerne vergäßen, während Anita Lasker-Wallfisch vor dem wieder aufblühenden Judenhass, einem 2000 Jahre alten Virus, warnt.

Gastgeber: Jochanan Shelliem

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Buchhinweis:

Anita Lasker-Wallfisch: "Ihr sollt die Wahrheit erben. Die Cellistin von Auschwitz". Erinnerungen. Rowohlt Taschenbuch, Preis: 10,- Euro

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