Anke Franke leitet das Pflegeheim Maria-Martha-Stift in Lindau am Bodensee. Für ihr Pflegekonzept ist sie mehrfach ausgezeichnet worden. Dabei hat sie nicht mehr Geld und Personal zur Verfügung, als andere Pflegeheime. Doch Bewohner und Mitarbeiter sind hochzufrieden.

Zu den Engpässen in anderen Pflegeheimen sagt sie: "Der Personalnotstand ist zum größten Teil hausgemacht" und nimmt dafür Kritik aus der Pflegebranche in Kauf. Das Maria-Martha-Stift ist ein Haus der Diakonie. Das Pflegekonzept orientiert sich an der sogenannten Eden-Alternative. Dabei sind Grundwerte wie Autonomie, Partizipation, Empathie und Gegenseitigkeit in einer menschlichen Gemeinschaft besonders wichtig. Der Name "Eden" soll das Bild eines Gartens symbolisieren. Hilflosigkeit, Einsamkeit, Nutzlosigkeit, Langeweile seien die größten Probleme der Pflegebedürftigen, sagt Anke Franke. Mit der Eden-Alternative will die "Pflegeerneuerin" solche Gefühle verringern helfen.

Die Pflegebedürftigen wohnen in kleinen Wohngruppen, sie dürfen im jeweiligen Bereich mitarbeiten: Gemüse schnippeln oder Socken zusammen legen. Zwölf Mitarbeitenden hat die Chefin einen Gitarrenkurs finanziert. Franke selbst spielt Saxophon, auch vor Ort. Es gibt Kontakte zu einem angrenzenden Kindergarten und auch Tiere sind willkommen. Freiwillige aus Nachbarschaft packen mit an und stellen ihre Expertise zur Verfügung: Vorlesen, Begleitung bei Spaziergängen, Gespräche oder Singen.

Die 49-jährige Anke Franke studierte Betriebswirtschaft. In die Pflegebranche ist sie durch Zufall gekommen. Als sie die Leitung des Maria-Martha-Stifts vor rund zwölf Jahren übernahm, schickte sie zuallererst die Mitarbeiter zu Fortbildungen; auch den Hausmeister, das Küchenpersonal und die Putzhilfen. Alle sollten ein Gefühl dafür bekommen, wie sie - zum Beispiel - Menschen mit Demenz begegnen können.

Die zweifache Mutter sagt: "Schluss mit der Beschäftigung von schlechtem, unmotiviertem und überfordertem Personal". Es braucht kompetentere Heimleitungen, Pflegedienstleitungen und Stationsleitungen. Außerdem appelliert sie an die Politik, weil "die Kostenträger verhindern, dass über Pflegesätze verhandelt wird".

Im "hr2-Doppelkopf" schildert die "Pflege-Erneuerin" ihr Konzept und erzählt von ihren Zukunftsplänen: sie möchte ein "Demenz-Dorf" realisieren. 

Gastgeberin: Karin Röder

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit