Der Schriftsteller Bodo Kirchhoff ist in Frankfurt zuhause – und am Gardasee. Seine Romane "Die Liebe in groben Zügen" und "Verlangen und Melancholie" wurden hochgelobt, und 2016 bekam er für seine Novelle "Widerfahrnis" den Deutschen Buchpreis. Zum heutigen 70. Geburtstag ist er bei uns zu Gast.

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zum Artikel Der Schriftsteller Bodo Kirchhoff bewegt sich zwischen "Dichtung und Wahrheit"

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Kirchhoff ist 1948 in Hamburg geboren, im Schwarzwald und am Bodensee aufgewachsen. Dort war er zehn Jahre in einem Internat, wurde von seinem Kantor sexuell missbraucht, fand aber auch einen Weg zur Kunst. Anschließend ging er zur Bundeswehr, wo er sich eine Gegenwelt im Malen erschuf.

Das eigentliche Mekka aber wurde für ihn Frankfurt, mit dem Sitz des Suhrkamp-Verlags und mit dem Bahnhofsviertel, mit der Universität, an der der kritische Geist der "Frankfurter Schule" vermittelt wurde. Wo Kirchhoff sich für "die Franzosen" interessierte, insbesondere für die Psychoanalyse von Jacques Lacan, über den er 1979 promovierte. Nicht in seinem Begehren nachgeben, diese Moral von Lacan lehrt auch Kirchhoff. Und das Schreiben aus einem Mangel heraus ist seine Poetik. Die Mängel des Lebens, seine Schrecken und Gräuel, die Unzulänglichkeiten des Körpers, werden durch das Schreiben, durch das Erzählen, in Schönheit verwandelt.

Bodo Kirchhoff wurde bekannt durch Theaterstücke und Texte wie "Bodybuilding" und seine "Mexikanische Novelle", sowie Romane wie "Infanta" oder "Parlando". Zu seinem 70. Geburtstag erscheint seine Autobiographie unter dem Titel "Dämmer und Aufruhr. Roman der frühen Jahre".

In seiner ersten Novelle von 1979 "Ohne Eifer, ohne Zorn" heißt es noch von der Hauptperson Branzger: "Er verachtet alles Autobiographische und meidet es sorgfältig. Was er schreibt, ist vielfach übersetzt: kein Wort davon ist wahr" – Kirchhoff hat die Radikalität seines Anfangs als Schriftsteller überwunden. Inzwischen schreibt Kirchhoff in Ich-Form, aber sein Roman ist alles andere als eine klassische Autobiographie. Er bewegt sich zwischen "Dichtung und Wahrheit". Durch das Bekenntnis zum eigenen Ich in romanhafter Erzählweise werden für ihn die Gräuel und Schrecken der Kindheit und Adoleszenz in Schönheit verwandelt und so erträglich gemacht, wie Bodo Kirchhoff im "hr2-Doppelkopf" verrät.

Gastgeber: Ruthard Stäblein

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Buchhinweis:

Bodo Kirchhoff: "Dämmer und Aufbruch. Roman der frühen Jahre", Frankfurter Verlagsanstalt 2018, Preis: 28,- Euro

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