Lange lebte die jüdische Gemeinschaft in der Bundesrepublik gefühlsmäßig "auf gepackten Koffern". In Deutschland waren etwa 35.000 Jüdinnen und Juden, in Frankfurt am Main etwa 4500 Mitglieder gestrandet. Nach 1989 aber verdreifachte sich die jüdische Bevölkerung. Die Jüdische Gemeinde Frankfurt zählt heute etwa 7000 Mitglieder.

Mehr als dreitausend Juden aus allen Ecken der ehemaligen Sowjetunion fanden sich bei Dalia Wissgott-Moneta, jahrzehntelang die Leiterin der Sozialabteilung der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, ein. Wie hat die jüdische Gemeinschaft diesen Zuwachs verarbeitet?

Nicht allein, dass die Ankommenden aus der ehemaligen Sowjetunion mit Judentum wenig mehr verbanden als die Diskriminierung durch den Staat und seltsame Gebräuche ihrer Großeltern. Nicht allein, dass sie sich nicht als Überlebende des Holocaust empfanden, als Opfer, die am 8. Mai 1945 gerettet worden waren, sondern als Sieger im Großen Vaterländischen Krieg, dessen Sieg am 9. Mai gefeiert wird. 

Nach Frankfurt kamen Menschen, die kaum Deutsch sprachen, für die Deutschland die Heimat Beethovens, Rilkes und Heines war - die Nazi-Gräuel hatten sie nicht erlebt. Es kamen Menschen, die klare Vorstellungen über den Umgang mit den staatlichen Versorgungseinrichtungen hatten. Juden, die gar nicht daran dachten, leise zu sein. 

Wie wurde aus dieser befürchteten Konkurrenz für die am Main gestrandeten Lagerüberlebenden eine Bereicherung, die heute keiner missen will? Im "hr2-Doppelkopf" berichtet Dalia Wissgott-Moneta, wie die Jüdische Gemeinschaft am Main die zunächst vermutete Bedrohung von Lebensweise und Identität in eine fulminante Bereicherung verwandelt hat.

Gastgeber: Jochanan Shelliem

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