Für Deborah Vietor-Engländer ist der Theaterkritiker Alfred Kerr eine Lebensaufgabe: Die Literaturwissenschaftlerin hat eine mehr als 600 Seiten dicke Biografie des berühmten Theaterkritikers geschrieben.

Sie ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Beschäftigung mit Alfred Kerr und seiner Epoche. Denn Alfred Kerr gilt ja gemeinhin als der Theaterkritiker überhaupt: Er hat die Theaterkritik zu einer eigenständigen literarischen Form erhoben, und sein Urteil entschied über Erfolg oder Misserfolg von Stücken, Autoren und Schauspielern. Genauestens wurde sein Gesicht in der Premiere beobachtet – hatte Kerr tatsächlich zweimal gelächelt, wie in der Uraufführung von Carl Zuckmayers "Fröhlicher Weinberg" beobachtet wurde?

Aber der strenge Kerr hat noch ganz andere Seiten: Er war ein beliebter Gast in den Berliner Salons, witzig und geistreich, einfühlsam und charmant zu den Frauen und ein hervorragender Pianist. Das alles hatte ein Ende, als Kerr 1933 ins Exil gehen musste – ein jäher Absturz. Ohne finanzielle Ressourcen mit Frau und zwei kleinen Kindern ging er über Prag, Lugano und Paris nach London. Seine Tochter Judith hat ihm später das Buch "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" gewidmet. Die Begegnung mit Judith Kerr und ihrem Buch war auch für Deborah Vietor-Engländer eine prägende Erfahrung. Darüber und über den vielschichtigen Alfred Kerr spricht sie im "hr2-Doppelkopf".

Gastgeberin: Ursula May

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