Seine umfangreiche Studie über "Die Kriegsverbrecherlobby" füllt eine Lücke in der Geschichtsforschung über die Nachkriegszeit der Bundesrepublik. Der Historiker und Spiegel-Journalist Felix Bohr schildert darin detailliert, wie sich Spitzenpolitiker für im Ausland zu lebenslanger Haft verurteilte NS-Täter verwendeten.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Der Historiker Felix Bohr spricht über die Kriegsverbrecherlobby.

Ende des Audiobeitrags

Zum Beispiel für Herbert Kappler, den "Henker von Rom", und die "Vier von Breda", die in den Niederlanden einsaßen. Felix Bohr fand Zugang zu bislang unbekannten Akten aus deutschen, niederländischen und italienischen Archiven. Sie belegen die Dimension rechtlicher und materieller Hilfe sowie das intensive politische Engagement für die Freilassung der Kriegsverbrecher. Die Bonner Regierungen mussten, um außenpolitisch anerkannt zu werden, die staatliche Distanz zum Nationalsozialismus demonstrieren.

Nach innen kamen sie den Forderungen der mächtigen Veteranen-Verbänden, beider Kirchen, Politikern aller Parteien, Diplomaten, Beamten und nicht zuletzt der Stimmung in der Mehrheitsgesellschaft entgegen. Diese Kriegsverbrecherlobby betrachtete die SS-Täter als "Opfer der Siegerjustiz" und wollte deren Amnestierung – und damit den symbolischen Schlussstrich unter die Menschheitsverbrechen des Dritten Reiches. 

Gastgeberin: Michaela Wunderle

Weitere Informationen

Buchhinweis:

Felix Bohr: "Die Kriegsverbrecherlobby. Bundesdeutsche Hilfe für im Ausland inhaftierte NS-Täter", Suhrkamp 2018
Preis: 28,- Euro

Ende der weiteren Informationen
Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit