Wer Kinderbücher schreiben will, muss erst einmal dem Kind in sich selbst vertrauen. Das war immer die Maxime von Hans-Joachim Gelberg.

Im Gespräch mit Jochanan Shelliem berichtet der Verleger von seinem Leben und von der Gründungsgeschichte des Verlags Beltz & Gelberg – und er rezitiert zärtlich Gedichte. Der junge Dortmunder Verleger war als Kind im Krieg vom Ruhrgebiet aus nach Wien verfrachtet worden, hatte Ausgrenzung und Fanatismus erleiden müssen und die Verhärtungen der Erwachsenen in der Adenauerrepublik erlebt. Zurückgekehrt in den zerstörten Ruhrpott suchte er nach mutigen Autoren, verlegte im katholischen Georg Bitter Verlag den autobiografischen Jugendroman "Es lebe die Republik" von Jan Procházka. Das Buch über einen zwölfjährigen Bauernjungen und die letzten Kriegstage in einem mährischen Dorf wurde 1969 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

Bei der Laudatio lernte Gelberg den Journalisten Peter Härtling kennen. "In Ihnen versteckt sich ein Kinderbuch": Mit diesem Satz zerschlug der hellsichtige Verleger dem jungen Autor jegliche Hoffnung auf den Büchnerpreis. Denn Kinderbücher galten Ende der Sechzigerjahre nicht als preiswürdige Literatur. Unabhängig von Umsatz und Erfolg förderte Hans-Joachim Gelberg realistische Kinderromane. Die orangefarben Bücher von Peter Härtling aus dem Hause Beltz & Gelberg eroberten die Kinderzimmer der jungen Bundesrepublik in den frühen 1970ern: "Das war der Hirbel", Härtlings Geschichte um einen jungen Behinderten, "Ben liebt Anna", über Zuneigung und Sexualität unter Kindern, "Krücke", der Roman über die frühe Nachkriegszeit, als Schwaben zu ihren Schäferhunden sagten: "Fass, des isch ein Flüchtling!".

Hans-Joachim Gelberg entdeckte Joseph Guggenmoos, den Weltklassedichter von der Alm, er ermutigte Christine Nöstlinger und Mirjam Pressler und machte Janosch berühmt. "Erwachsenenthemen" zogen ein ins Kinderland, und Illustratoren wie Nikolaus Heidelbach nahmen die Phantasien der Kinder ernst.

Gastgeber: Jochanan Shelliem

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