Bevor Ludwig Lugmeier aus dem Fenster im ersten Stock des Frankfurter Landgerichtsgebäudes sprang, hatte er eine Minute und 55 Sekunden Zeit zur Flucht gehabt beim größten Bankraub seit dem Zweiten Weltkrieg.

Einmal im Kreis waren er und sein Komplize im Frankfurter Bankenviertel gefahren, mehrfach hatten sie die Fahrzeuge gewechselt und die zwei Millionen starke Beute in Verstecken vergraben. Eines davon war im Frankfurter Stadtwald. 

Früh hatte Ludwig Lugmeier sich für eine Karriere außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft interessiert. Sein erster Bruch: Der Raub einer Taschenlampe aus einem Bauwagen in seinem Heimatort. Kochl am See war ihm zu eng. Empört wies er die Resozialisierungsangebote seines Verteidigers zurück. Er wollte verurteilt werden, Knacki sein, den Rausch, das Leben außerhalb des Bürgerlichen.

Und dazu brauchte er Geld, erzählt Lugmeier im "hr2-Doppelkopf". Doch aus Befreiung wurde "Verengung". Ob in Mexiko oder auf den Bahamas: "Die Welt war voller Deutscher" - Lugmeier floh. Bis er in Island strandete und seine Autobiographie zu schreiben begann. Das war noch vor seiner Verurteilung, vor seiner Haftstrafe, vor den zwölf Jahren, in denen aus dem Bankräuber eine Leseratte und aus der Leseratte ein Schriftsteller wurde. 

"Die Leben des Käpt’n Bilbo", erschienen 2017 im Berliner Verbrecher Verlag, ist sein jüngstes Werk. Im Leben des Hugo Cyrill Kulp Baruch - dem renitenten Enkel des jüdischen Theatertycoons Hugo Baruch – fand Lugmeier einen Stoff, der ihn interessierte. Zwei Jahre recherchierte er, traf Zeitzeugen und Verwandte und erzählte dann das Leben von Käpt’n Bilbo, das so unglaublich verlief, dass die Biographie des Schriftstellers Ludwig Lugmeier daneben fast verblasst. 

Gastgeber: Jochanan Shelliem

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Buchhinweis:

Ludwig Lugmeier: "Die Leben des Käpt'n Bilbo", Verbrecher Verlag 2017, Preis: 24,- Euro

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