Seit jeher hat der Fatalismus einen schlechten Ruf. Und doch ist es an der Zeit, ihn neu zu entdecken – als Tugend, als Haltung und als Möglichkeit, das Leben zu meistern. So sieht es Matthias Drobinski.

Matthias Drobinski ist Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung und zuständig für die Themen Kirche und Religionen. Der moderne Mensch hat sich ganz der Souveränität verschrieben, will dem Leben seinen Willen aufzwingen, um doch regelmäßig zu scheitern. Jeder Plan hat seine Grenzen dort, wo er plötzlich mit dem Ungeplanten konfrontiert wird. Fatalismus dagegen bedeutet Gelassenheit. So viele Dinge kann man nicht ändern im Lauf der Welt – und man muss es auch nicht können. Viel mehr Sinn macht es, die eigene Wirkmacht nicht zu überschätzen und dem Unverfügbaren Tribut zu zollen.

Drobinski plädiert dafür, etwas mehr Fatalismus in unser Leben zu lassen, die Balance zu wahren zwischen dem Unausweichlichen und dem Änderbaren. Er hält eine Portion Fatalismus vor allem dort für nötig, wo Perfektionismus, absolute Sicherheitserwartungen und überzogene Weltverbesserungsphantasien um sich greifen:

"Der aufgeklärte Fatalismus setzt dem Weltverbesserungswahn Grenzen, der Phantasie, eine schöne neue Welt sei planbar und in einem Willensakt herstellbar. Sie muss unvollständig sein, diese Welt, will sie menschengemäß sein. Das Planbare und Unvorhersehbare gehört zu ihrem Wesen. Gerade das aber verunsichert die Menschen, seit sie über sich und die Welt nachdenken. Eine gute Portion Fatalismus im Leben löst das Problem nicht. Man kann aber besser mit ihm leben“.

Gastgeberin: Karin Röder

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Buchhinweis:

Matthias Drobinski: "Lob des Fatalismus", Claudius Verlag 2018, Preis: 14,- Euro

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