Seine Eltern kamen als Flüchtlinge von Wien nach England, seine Mutter als 17-jähriges Mädchen mit einem Kindertransport, sein Vater als junger Zahnarzt, der kaum Englisch sprach und froh war, dass in den Nachprüfungen viel Lateinisch gesprochen wurde. Sie konnten den Nazis entkommen. Sie hatten Glück, meint Paul Weindling, der 1953 zur Welt kam, in Oxford Geschichte studierte und heute an der Oxford Brookes University forscht und lehrt.

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Zum Artikel Der Medizinhistoriker Paul Weindling erläutert, wie er deutsche Vergesslichkeit erlebt.

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Das große Forschungsthema des international renommierten Historikers sind die vergessenen Opfer einer verbrecherischen Wissenschaft zur Zeit des Nationalsozialismus. Er möchte den Opfern ihre Geschichte zurückgeben, ein würdiges Erinnern möglich machen. Etwa an die Menschen, die in sogenannten Euthanasie-Aktionen ermordet worden waren und deren Gehirne dann zu wissenschaftlichen Präparaten wurden, mit denen Forscher noch lange nach dem Krieg arbeiteten, zum Beispiel an Max-Planck-Instituten. Und mit einigen wird wohl auch noch heute gearbeitet.

Zahlreiche solcher Hirnschnitte wurden 1990 beigesetzt, in München, Tübingen und auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt. "Den im Namen der Wissenschaft missbrauchten Opfern des Nationalsozialismus zum Gedenken, allen Wissenschaftlern als Mahnung zu verantwortlichem Tun", steht dort auf einer Steintafel. Die Namen und die Lebensdaten der Opfer freilich fehlen. 'From denial to disposal' nennt Paul Weindling, der Mitglied der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften, ist und Forschungsprojekte zum Beispiel für die Max-Planck-Gesellschaft und die Universität Strasbourg verantwortet, diese Strategie, die nach einem hastigen Schlussstrich aussieht. Im Gespräch im "hr2-Doppelkopf" erläutert er heute, wie er deutsche Vergesslichkeit erlebt und wie Forschung den Opfern ihre Identität zurückgeben kann.

Gastgeberin: Regina Oehler

Sendung: hr2-kultur, Doppelkopf, 31.7.2019, 12:05 - 13:00 Uhr

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