"Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus", diese Liedstrophe aus Franz Schuberts Winterreise könnte das Leben des Peter Kurzeck am kürzesten beschreiben.

Mit drei Jahren wurde er zusammen mit Mutter und Schwester aus Böhmen vertrieben und 1946 ins oberhessische Staufenberg verfrachtet. Hier verbrachte Kurzeck Kindheit und Jugend, konnte dort aber nie richtig Wurzeln fassen. Er ging nach Frankfurt und später ins südfranzösische Uzès, wo er bis zu seinem Tod lebte. Kurzeck wurde durch seine Kindheit zum Außenseiter. Und als solcher zum genauen Beobachter.

Zwei Bedingungen waren es vor allem, die aus ihm einen Schriftsteller machten: Schon als Vierjähriger verspürte er den Zwang, alles zu beobachten, nichts zu vergessen. So entwickelte er ein geradezu photographisches Gedächtnis. "Noch als Zehnjähriger hast du dort jede einzelne Milchkuh, jedes Wetter und jeden mageren müden Zugochsen gekannt." So beschrieb es Kurzeck in seinem Buch "Kein Frühling". Peter Kurzeck stand wie eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Literaturlandschaft einsam da. Er hatte seine ureigene Sprache geschaffen, abgehackte Sätze, in denen manchmal die Verben fehlen, einen eigenwilligen Rhythmus, der einen aufsaugt und den man am besten spürt, wenn man Peter Kurzeck zuhört.

Am Sonntag, 10. Juni, wäre Peter Kurzeck 75 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass wiederholen wir ein "Doppelkopf"-Gespräch vom November 2008. Darin erzählt Kurzeck von dem großen Erfolg, den sein Hörbuch "Ein Sommer, der bleibt" hatte, und warum er damit eine neue Gattung, den "Roman ohne Schrift", schuf.

Gastgeber: Ruthard Stäblein

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