Sibylle Plogstedt war 24 Jahre alt, als sie 1969 in Prag von der Staatssicherheit verhaftet wurde. Die linke Berliner Studentin hatte sich gegen den Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts engagiert, der die Reformversuche des Prager Frühlings von 1968 jäh beendete.

Eineinhalb Jahre verbrachte sie im Gefängnis, wurde dort psychischer Folter ausgesetzt. Zurück in Berlin, blieb die Unterstützung der Opposition gegen den autoritären Sozialismus in Osteuropa das eine große Lebensthema der nunmehr promovierten Soziologin.

Das zweite ist das Engagement für Themen der autonomen Frauenbewegung. Sie gehörte beispielsweise zu den Gründerinnen der legendären Zeitschrift "Courage", in den 70er und 80er Jahren ein Mittelpunkt feministischer Debatten. Sibylle Plogstedt, freie Journalistin und Autorin für Funk und Fernsehen, ist außerdem Mitinitiatorin eines erfolgreichen beruflichen Netzwerks für Frauen, dem Journalistinnenbund.

Das wohl berührendste ihrer zahlreichen Bücher ist der autobiografische Bericht "Im Netz der Gedichte. Gefangen in Prag nach 1968". Nachzulesen ist hier, wie die durch die Haft schwer Traumatisierte erst nach Jahrzehnten die Kraft fand, sich ihren Erlebnissen in der Zelle zu stellen. Im "hr2-Doppelkopf" erzählt sie, wie sie herausfand, was ihr damals eigentlich widerfahren war und woran sie fast zerbrochen wäre.

Gastgeberin: Michaela Wunderle

Weitere Informationen

Buchhinweis:

Sibylle Plogstedt: "Im Netz der Gedichte. Gefangen in Prag nach 1968", Sulzbach/Taunus 2018, Preis: 16,- Euro

Ende der weiteren Informationen
Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit