Thomas Thieme war einst bei allen Neunjährigen Sendegebiet des hr als Dino weltberühmt. Er war der Zampano in "Dinos Kinderradio" im Hessischen Rundfunk.

Diesseits der Mauer hat man lange übersehen, was für ein Schwergewicht Thomas Thieme im Osten bereits gewesen war. In Görlitz, Anklam, Magdeburg hatte er Goethes "Egmont" und Shakespeares "Heinrich V." gespielt. Und doch reiste er 1981 aus "wegen der grauen tristen Atmosphäre", wie er sagt. Er floh "nicht vor der Repression, sondern vor der Bevölkerung". 

Und traf auf Einar Schleef, auch aus dem Osten, das stotternde Regiegenie am Schauspiel Frankfurt. Thieme gab in Frankfurt den Kent in "König Lear", als Robert Wilson noch am Main experimentierte. Dann entschwand er in den Olymp der Bühnengötter, ging ans Burgtheater, wo er in Bert Brechts "Baal" die letzten Fesseln fallen ließ. Später fand Claus Peymann an der Schaubühne in Berlin in Thieme einen adäquaten Counterpart. Thieme gegenüber wurde der Choleriker Peymann nie laut. 

Auch außerhalb des Theaters wurde Thomas Thieme berühmt durch sein minimalistisches Spiel und seine erdigen Bösewichter. Beispielsweise als widerlicher DDR-Kulturminister in "Das Leben der Anderen" oder als ratloser Vater von Effi Briest in der Regie von Hermine Huntgeburt und immer wieder aber als Stasi-Major. 

Thomas Thieme ist der Gert Fröbe unserer Tage, der jedoch zugleich über den diabolischen Blick eines Jack Nicolson verfügt. Er erzählt, wie er sich Helmut Kohl genähert hat - der Rolle dieses Bundeskanzlers, der "alle Schauspieler für Asoziale hielt", und wie er Uli Hoeneß eingewickelt hat, der mit Fremden doch nie spricht. Thieme verkörperte ihn erst, als er den Kern des kleinen Ulmer Buben aus der Metzgerei erkannt hatte. Warum er immer noch Fan der Eintracht ist, erzählt er auch.

Gastgeber: Jochanan Shelliem

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