"Die gesellschaftlichen Grundlagen des Faschismus dauern an", warnte Theodor W. Adorno 1967. Er bezog sich damit vor allem auf die Wahlerfolge der NPD in Deutschland. Kann seine Vorlesung von damals den aktuellen Aufschwung der Neuen Rechten erklären? Eine Diskussion in Frankfurt ging dieser Frage nach.

Theodor W. Adorno, der wie seine Kollegen am Frankfurter Institut für Sozialforschung 1933/34 zur Emigration gezwungen war, setzte sich als Soziologe intensiv mit der nationalsozialistischen Diktatur auseinander. Nach seiner Rückkehr nach Frankfurt im Jahr 1953 stand er der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft mit kritischer Distanz gegenüber und beobachtete mit Schrecken das erfolgreiche Wirken ehemaliger "Parteigenossen" im öffentlichen Leben. 1967, zwei Jahre vor seinem Tod am 6. August 1969, hielt er auf Einladung des Verbands Sozialistischer Studenten Österreichs an der Universität Wien einen Vortrag unter dem Titel "Aspekte des neuen Rechtsradikalismus". Ein gutes halbes Jahrhundert später erscheint die Vorlesung als Buch im Suhrkamp Verlag. Der schmale Band ging nach kurzer Zeit in die vierte Auflage: Der Bedarf an Erklärungen für den aktuellen Erfolg der Rechten ist offenbar groß. Doch wie tragfähig ist Adornos Gesellschaftskritik heute noch?
Dass 20 Jahre nach dem Holocaust eine nationalsozialistische Ideologie in die westdeutsche Politik zurückkehren konnte, erfüllte den Soziologen mit tiefer Besorgnis. Die Gesellschaft heute ist nicht mehr die von vor 50 Jahren. Dennoch beschäftigen uns heute ähnliche Fragen. Rechte und rechtsextreme Parteien sind im Aufwind, nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Hat Adorno ein Problem aufgezeigt, das sich bis heute nicht wesentlich verändert hat? Wird unsere Demokratie ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht? Wie neu ist das Phänomen der " Neuen Rechten", betrachtet durch die Brille der Frankfurter Schule?

Darüber diskutieren am 13. August in der Evangelischen Akademie Frankfurt: die Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff (Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, der Sozialphilosoph Axel Honneth, der Publizist Michel Friedmann und die Frankfurter Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, Ina Hartwig. Die Moderation übernahm Thomas Sparr (Suhrkamp Verlag). Die Podiumsdiskussion wurde vom Kulturdezernat der Stadt Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Exzellenzcluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" und hr2-kultur veranstaltet. In der Kulturszene Hessen senden wir einen gekürzten Mitschnitt.

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Buchhinweis

Theodor W. Adorno: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus – Ein Vortrag 
86 Seiten | Juli 2019
Suhrkamp- Insel | 10 Euro

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