Weingut Hanka

Das Rezept zum Wein "Gekochter Tafelspitz mit Meerrettich-Soße" finden Sie hier.

Es ist Ende Mai/Anfang Juni und jetzt sind sie auf der Flasche. Die ersten Erzeugnisse des Weinjahrgangs 2018, dem vorab schon Außergewöhnliches attestiert wurde. Wegen der vielen Sonne, wegen der gesunden Reife der Traube. Häufig wurde schon von einem Jahrhundertjahrgang gesprochen. Aber entscheidend ist natürlich das Ergebnis im Glas. Kann es die Vorschusslorbeeren bestätigen? Martin Maria Schwwarz hat für unseren neuen kulinarischen Streifzug in hr2-kultur eine erste Probe vorgenommen. Und zwar auf dem Weingut Hanka im Rheingau:

Da sind sie also, die Weine dieses Ausnahme-Sonnenjahrgangs 2018. Ich habe zunächst einen Riesling ausgewählt, Basisqualität von der Winkeler Lage Hasensprung.

Ist irgendetwas anders als in den Jahren zuvor? – Doch ja, dieser Wein entfaltet eine spezifische Wärme im Mund, hat Saftigkeit und Aromafülle, ist dicht, tapeziert den Gaumen, wie es im Weinkritiker-Jargon heißt. Und was sagt der Chef Sebastian Hanka selbst dazu? "2018 ist vornherein schon sehr zugänglich. Sie haben ein sehr fruchtiges und vor allem klares Aroma, weil wir sehr gutes Lesegut hatten und so präsentiert er sich auch."

Und das gilt auch für die anderen Lagen oder Rebsorten, egal ob Weißburgunder oder Sauvignon blanc. Aber Achtung! Dieses Weinjahr hatte seine Tücken. Viel Sonne, das bedeutete eben auch viel Zucker und viel Zucker bedeutet eben auch: hoher Alkoholgehalt: "Im Schnitt sind wir schon 1 Volumenprozent mehr wie letztes Jahr."

Das heißt bei diesem Wein: Es sind 13 Prozent. Das ist mächtig. Aber er bietet genug Säure, schmeckt nicht alkoholisch oder brandig. Das ist eben dann die Kunst des Winzers für Harmonie zu sorgen und das ist Sebastian Hanka gelungen. Dafür musste er auch ein wenig pokern, früh oder spät lesen, das war hier die Frage: "Die Kehrseite ist, wenn man jetzt früh liest kann es sein, dass man Aromen im Weinberg hängen lässt."

Hanka entschied sich auf Risiko zu gehen, ließ die Trauben bis in den Oktober hängen, hatte Glück, weil es trocken blieb, die Nächte kühl und sicherte er sich die genannte Aromenvielfalt und ein stabiles Grundgerüst: "Ein früh gelesener Wein hatte schon Trockenstress gehabt und wird im Alter früh abbauen. Das kann schon passieren."

Was lernt der Kunde daraus? Er muss wissen, was er will. Lieber jetzt ganz  frisch trinken oder zwei, drei oder mehr Jahre auf die Entfaltung weiterer köstlicher Reifearomen warten. Und dann den Winzer oder Weinhändler fragen.

Sebastian Hanka greift derweil zu einem anderen Wein. Es ist eine seiner Spezialitäten, ein Wein, den es im Rheingau selten gibt. Der sogenannte Gemischte Satz. Ein Wein aus 6 Rebsorten, die alle gemeinsam im Weinberg stehen, gemeinsam gepflückt, gemeinsam gepresst werden, so wie Wein früher gemacht wurde: "Der Wein wurde nicht mit einer pneumatischen Presse gekeltert, sondern mit einer alten Korbpresse, die noch aus Omas Zeiten stammt. Dann kam er in den Keller und dort hat er einfach im Faß gelegen und wir haben nichts gemacht, er hat einfach gegoren und wir haben ihn so auf die Flasche gebracht."

Dieser Wein ist einfach eine Wucht, ein facettenreiches Zusammenspiel unterschiedlichster Töne, er ist würzig, er hat Säure, er hat Frucht und eine aufrechte Statur, ein Wein, dem man zuhören muss, der Konzentration verlangt, den trinkt man nicht einfach so weg. Und er entwickelt sich in der Flasche mit den Jahren immer anders: "In einem Jahr dominiert diese Rebsorte, im nächsten Jahr eine andere. Und so wird der Wein verschieden altern."

Im Moment hat er eine leicht rosige Note. Die kommt von der Rebsorte Traminer. In einem halben Jahr kann aber schon wieder Riesling dominieren. Und wieder die Frage - Was hat der 18er was der 17er nicht hat? "Er hat doch schon mehr Reife und eine größere Fülle. Diesem Wein hat der Sprung von 12,5 % auf 13% Prozent gut getan."

Womit wir wieder bei der Ausgangsfrage sind. Hat dann der 18er Jahrgang tatsächlich das Potenzial eines Tages zur Legende zu werden? – Sebastian Hanka neigt den Kopf von links nach rechts, wägt ab, verweist auf viele gute Jahrgänge in den letzten 10, 20 Jahren, auf das gestiegene Niveau überhaupt, und sowieso wird sich das erst in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zeigen. 2018 hat viel zu bieten, aber: "Jetzt zu sagen. Das wird ein Jahrhundertjahrgang ist Spekulation. Das funktioniert so nicht."

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