Haus Peter Behrens in Darmstadt

Ein neuer Architekturführer rückt die verkürzte Sichtweise, dass moderne Architektur nur weiße Kuben, Flachdach und Glasfassaden sind, zurecht und blickt dabei auf Hessen.

Haus Peter Behrens in Darmstadt, 1900/01

Peter Behrens ist eigentlich studierter Kunstmaler, bevor er sich der kunstgewerblichen Arbeit zuwendet. Das Haus in Darmstadt ist sein erstes architektonisches Werk. Behrens ordnet Räume, deren Nutzung miteinander verbunden ist, nebeneinander an. Außerdem ist in seinen Augen, für ein kultiviertes Zusammenleben entscheidend, dass alle Hausbewohner einen Raum haben, in den sie sich individuell zurückziehen können.

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Haus Alexander Koch in Darmstadt, 1925

Der Verleger Alexander Koch lässt sich mit 65 Jahren ein freistehendes Wohnhaus bauen. Mit dem Entwurf beauftragt er den 20 Jahre jüngeren Architekten Fritz August Breuhaus. Breuheus stimmt alle Pläne eng mit Koch ab, der sich Jahrzehnte lang für eine gehobene Wohnkultur eingesetzt hatte. Dem Architekten erscheint dieses Wohnhaus noch bis 1960 als ein für die 1920er Jahre zeitgemäßes Vorbild der Wohnkultur.

Villa Andreae in Königstein im Taunus

Villa Andreae in Königstein im Taunus, 1890

Der Frankfurter Bankier Albert Andreae de Neufville lässt sich Ende des 19. Jahrhunderts eine schlossartige Villa als Sommerresidenz errichten. Sie steht auf dem Gipfel einer bewaldeten Anhöhe. Der Architekt Franz von Hoven entwirft die Villa in der Formensprache von Gotik und Renaissance, dabei verwendet er regionaltypische Baustoffe.

Nellinistift in Frankfurt, 1911-13

Das Heim für alleinstehende "Damen aus gebildeten Kreisen, in erster Linie evangelischer Konfession" wird von Bruno Paul entworfen, einem der damals renommiertesten deutschen Architekten. In Berlin hatte er sich schnell zum gefragten Villenarchitekt des wohlhabenden Großbürgertums etabliert. Pauls Gespür für die Repräsentationswünsche seiner Bauherren und deren gleichzeitiges Bedürfnis nach Bequemlichkeit und Privatsphäre zeichnet seine kurz vor 1914 geschaffenen Entwürfe aus.

Siedlung Römerstadt, um 1928

Römerstadt in Frankfurt, 1927–29

Die Siedlung Römerstadt realisiert mit insgesamt 1220 Wohneinheiten an der nördlichen Seite der Nidda die Prinzipien des Neuen Frankfurt. Im Sinne einer Arbeitsentlastung der Bewohner und einer modernen Vorstellung vom Wohnen verfügt die Siedlung über neueste technische Einrichtungen: Vollelektrifizierung, Zentralheizungen und Radioanschluss. Den Gesamtplan entwirft May zusammen mit Herbert Boehm und Wolfgang Bangert.

Kernkraftwerk Biblis in Biblis

Kernkraftwerk Biblis, 1970–76

Auf den ersten Blick mag es verwunderlich erscheinen, doch das Kernkraftwerk gehört ebenso zur Moderne, auch wenn das Fehlen jedes ästhetischen Anspruchs eher den Sicherheitsanforderungen geschuldet ist, die eine äußerst pragmatische Gestaltung der Anlage begünstigten. Angesichts des wachsenden zivilen Protests gegen die Kernkraft damals scheinen sich die Kernkraftwerke immer mehr hinter ihre Schutzzäune zurückzuziehen. Sie verwandeln sich in großindustrielle Festungen.

Edertalsperre Edertal bei Hemfurth

Edertalsperre Edertal bei Hemfurth, 1908–14

Otto Intze zählt zu den Mitbegründern der modernen Wasserwirtschaft in Deutschland. Mit 47 Metern Höhe stemmt sich die Staumauer mit elegantem Schwung gegen die Wassermassen. Die Gestaltung der Gebäude auf der mächtigen Mauerkrone orientiert sich an mittelalterlichen Festungsanlagen. Die Mauerbreite beträgt an der Krone 6 m, am Fundament stolze 36 m. Noch heute hält die Edertalsperre den drittgrößten Stausee Deutschlands mit einem Wasservolumen von rund 200 Millionen m3 im Zaum.

Kai Buchholz: 100 Jahre Moderne in Hessen
Jovis Berlin 2019
Preis: 35 Euro

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 13.8.2019, 16:05 Uhr

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