Friedrich Hölderlin (1770-1843)
Friedrich Hölderlin (1770-1843) Bild © Repro: dpa

Die Schönheit der Schöpfung, der Mensch als suchendes Wesen: Diese Themen trieben Friedrich Hölderlin um, der als einer der wichtigsten deutschen Dichter gilt. 175 Jahre nach seinem Tod sind sie nicht weniger aktuell. In Frankfurt kann man seinen Spuren folgen.

Vor 175 Jahren starb Friedrich Hölderlin. Vor rund 200 Jahren eilte der Dichter - von Sehnsucht getrieben - nach Frankfurt am Main, um seine Geliebte Susette Gontard heimlich zu treffen. Und am gleichen Tag zurück nach Bad Homburg. Sie war die Frau eines angesehenen Bankiers. Er hatte ihre Kinder unterrichtet, bis der Hausherr von dem Liebesverhältnis erfuhr und ihn des Hauses verwies.

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Hölderlin in Frankfurt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Geistige Erfrischung könnte Leben retten auf den 22 Kilometern!" Ruth Fühner über den Hölderlinpfad in und um Frankfurt

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Seit Juni 2008 verbindet der Hölderlinpfad Frankfurt am Main mit Bad Homburg und somit auch den Frankfurter GrünGürtel mit dem Regionalpark RheinMain. Auf 22 Kilometern führt der Regionalpark-Weg durch beide Städte, aber auch durch eine weite Vortaunuslandschaft mit Blicken auf die Skyline von Frankfurt und die Höhenzüge des Taunus.

Geboren am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar, stammte Hölderlin aus einer christlich verwurzelten Familie. Sein Vater verwaltete als Klosterhofmeister die Güter des ehemaligen Dominikanerinnenklosters in Lauffen, seine Mutter war die Tochter eines Pfarrers. Sie wünschte sich eine geistliche Laufbahn für ihren Sohn, der zunächst die Lateinschule und evangelische Klosterschulen besuchte. Während des Studiums in Tübingen entschloss er sich gegen den Beruf des Pfarrers. Immer wieder kehrte er indes zum Schreiben in sein Elternhaus zurück. Zunächst arbeitete Hölderlin als Hauslehrer.

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Der Not ist jede Lust entsprossen,
Und unter Schmerzen nur gedeiht
Das Liebste, was mein Herz genossen
Der holde Reiz der Menschlichkeit.
Hölderlin

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Denkmal Friedrich Hölderlin in Lauffen
Denkmal Friedrich Hölderlin in Lauffen Bild © Stadt Lauffen
Der Hölderlinturm am Ufer des Neckars in Tübingen.
Der Hölderlinturm am Ufer des Neckars in Tübingen. Bild © picture-alliance/dpa

Nachdem er sich zu Unizeiten mit Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling angefreundet hatte, hörte er 1794 in Jena Vorlesungen von Johann Gottlieb Fichte, lernte Goethe und Schiller kennen. Er verließ die Stadt jedoch nach einem Jahr wieder, weil er sich neben seinem großen Vorbild Schiller unnütz fühlte. In den folgenden Jahren unterrichtete, übersetzte und reiste Hölderlin viel - und begegnete seiner großen Liebe, der verheirateten Susette, die zum Vorbild für die weibliche Hauptfigur in "Hyperion" werden sollte. Der Briefroman erschien in zwei Bänden 1797 und 1799. Nach Susettes Tod 1802 stürzte Hölderlin sich in die Arbeit, schrieb einige seiner berühmten "Gesänge". Ab 1804 arbeitete er als Hofbibliothekar in Homburg. Schon mit 30 Jahren war dem Dichter eine "Hypochondrie" diagnostiziert worden. Mit 36 wurde er wegen einer "Manie" in der Tübinger Uniklinik behandelt. Spätere Forscher sind uneins über die Hölderlinsche Psyche.

Manche vertreten die These, er habe simuliert oder zumindest übertrieben. Aus heutiger Sicht ist kaum möglich zu sagen, woran Hölderlin nun wirklich gelitten hat. Ob eine solche Erkenntnis hilfreich für die literarische Auseinandersetzung wäre, ist ebenso fraglich. Manche Interpreten verweisen etwa darauf, dass eine mögliche Schizophrenie sich durchaus darauf auswirken könne, ob das "Ich" in Hölderlins Gedichten mit dem Autor übereinstimmen könne. Eine Frage, die auch bei anderen Schriftstellern immer wieder diskutiert wird. Hölderlin jedenfalls galt ab 1807 als "unheilbar" und bezog die Turmstube eines Freundes in Tübingen - das Gebäude ist heute als "Hölderlinturm" bekannt. Er schrieb weiterhin und spielte Klavier, erlebte allerdings die zunehmenden Besuche von Reisenden oft als störend.

Ihnen gegenüber, so ist es überliefert, soll er sich teils befremdlich verhalten haben. So taucht die Figur eines wahnsinnigen Hölderlin in einem Roman von Eduard Mörike auf. Am 7. Juni 1843, genau um Mitternacht, starb Hölderlin. Seine Grabstätte auf dem Tübinger Stadtfriedhof ist wiederum ein Anziehungspunkt für Touristen. Insbesondere der melodische Klang und die sprachliche Wucht seiner Gedichte gelten als beispiellos. Seine philosophischen Texte wurden vielfach als kompliziert beschrieben, doch beispielsweise Friedrich Nietzsche nahm später Bezug auf kulturkritische Aspekte. Komponisten wie Johannes Brahms und Carl Orff vertonten hymnische Gedichte des Lyrikers.

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 6.6.18, 7:45 Uhr

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