Neïl Beloufa. Global Agreement, Blick in die Rotunde
Neïl Beloufa. Global Agreement, Blick in die Rotunde Bild © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2018, Foto: Marc Krause

Wie geht eine Kunst-Ausstellung in einem geschlossenen Ausstellungshaus? Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt macht's vor: dort wird noch bis Oktober fleißig umgebaut – aber in der Rotunde vorm Eingang des Hauses sowie einem angegliederten Ausstellungsraum sind seit gestern Videos und Installationen des französischen Künstlers Neil Beloufa zu sehen. Sie ist kostenfrei öffentlich zugänglich. hr2-Kritikerin Tanja Küchle hat versucht, sich der Macht der Bilder zu widersetzen.

Worum geht's:

Neil Beloufa hat seine neueste Arbeit extra für die Schirn Kunsthalle gemacht: eine Installation, die Videos und Skulpturen kombiniert – gleichermaßen spielerisch wie martialisch. In der Rotunde vor der Kunsthalle stößt man auf ein "Heer" von Skulpturen – die an "Trainingsgeräte" im Fitnessstudio erinnern. Daran hochkant angebracht: 10 Flachbildschirme, die kurze Interviews mit Soldaten und Soldatinnen aus der ganzen Welt zeigen. Sie erzählen, warum sie zur Armee gegangen sind, von ihrem Alltag beim Militär, von traumatischen Erlebnissen und ihrem Privatleben.

Neïl Beloufa. Global Agreement, Standfoto aus einem Film
Neïl Beloufa. Global Agreement, Standfoto aus einem Film Bild © the artist & VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Hier geht es um den menschlichen Körper - und wie er geformt und mit Bedeutung aufgeladen wird: von Körperkult und Fitness, dem ganzem Selfie- und Schönheits-Wahn, bis zu politischer und militärischer Bedeutung und "Formung" die sich im Soldaten als Extrem konzentriert. Und hier geht es um Macht! Auch um die Macht der Bilder und, damit verbunden, um eine zentrale, große Unsicherheit im digitalen Medienzeitalter: Was ist "wahr" und was "falsch"? Beloufa hat die Soldaten bewusst gebeten, für seine Arbeit im Interview Geschichten zu erzählen, die der Wahrheit entsprechen – aber auch Anekdoten zu erfinden.

Neïl Beloufa. Global Agreement, Installation
Neïl Beloufa. Global Agreement, Installation Bild © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2018, Foto: Marc Krause

In einem separaten Raum dekonstruiert Beloufa sogar seine eigene Arbeit, nimmt, so poetisch wie gewaltsam eine Metaebene ein. Diesen Raum erreicht man nur, wenn man den geheimnisvollen Seilen folgt, wie einer "Brotkrumenspur" oder dem Ariadnefaden – bis in den 2. Stock der Kunsthalle. Dort oben landet man in einer Art verwirrendem Spiegelkabinett. Es blitzt und schimmert, der Blick bricht sich vielfach an den Scheiben und Folien. Das ist eine starke Geste. Sie sagt in aller Deutlichkeit: nichts ist eindeutig!

Fazit:

Neïl Beloufa, Porträt
Neïl Beloufa, Porträt Bild © Polly Thomas

Die Ausstellung ist klein, aber gut durchdacht. Sie spielt hervorragend mit dem Ort und legt es darauf an, Schritt für Schritt entdeckt zu werden!

Weitere Informationen

Neil Beloufa: Global Agreement

Frankfurt, in der Schirn Kunsthalle:
23. August bis 28. Oktober

www.schirn.de

Ende der weiteren Informationen

Man kann sich nur schnell 5 bis 10 Minuten damit auseinander setzen – man kann sich aber auch stundenlang die Filme und Interviews anschauen, in der Installation herumwandern und versuchen, sich der Macht zu widersetzen.

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