Ausstellung Chiharu Shiota Gedankenlinien
Chiharu Shiota, Portrait Bild © Chiharu Shiota und VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Die japanische Künstlerin hat im Bad Homburger Sinclair-Haus Wollfäden poetisch verknotet - sinnlicher kann Kunst nicht sein.

Audiobeitrag
Ausstellung Chiharu Shiota Gedankenlinien

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Ihre Wollfäden ziehen einen magisch in die Räume hinein."

Ende des Audiobeitrags

"Gedankenlinien" heißt die Ausstellung. Das können bei CHiharu Shiota einfache Linien in einer Zeichnung oder Litographie sein. Aber am eindrucksvollsten sind die prachtvollen Netze, imposante Netzwerke, aus dicken Wollfäden gesponnen, mal in kräftigem Blutrot, mal in zartem Weiß. Und in diese Netzwerke sind häufig Objekte eingesponnen: Geisterhafte Kinderkleider, ein Tornado aus Notenblätttern, hunderte Schlüssel oder auch ganze Boote.

Ausstellung Chiharu Shiota Gedankenlinien
Chiharu Shiota, Drifting, 2019 Bild © Chiharu Shiota und VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Es ist überwältigend, wenn Chiaru Shiota ganze Räume im Sinclair-Haus "vernetzt": Netze gehen von Raum-Ecke zu Raum-Ecke, die gesamte Decke entlang, schlingen sich um Säulen herum, herunter bis zum Boden. Als Besucher taucht man richtig in diese Gewebe ein. Das kann sehr behaglich wirken, aber auch bedrohlich. Diese Ambivalenz fasziniert – aber auch die Größe und umfassende Form der Netze, die Einen schon direkt am Eingang tiefrot leuchtend, fast wie magisch, in die Räume reinziehen.

Ausstellung Chiharu Shiota Gedankenlinien
Chiharu Shiota, Beyond Time, Yorkshire Sculpture Park, 2018 Bild © Chiharu Shiota und VG Bild-Kunst, Bonn 2019 | Foto: Jonty Wilde

Diese Netze symbolisieren für Shiota zum Einen die Verbundenheit von Menschen – sind also im Grunde auch sowas wie "Beziehungsgeflechte": Beziehungen, die abknicken, mit vielen anderen verknotet werden, oder auch durchaus mal reißen können. Zum anderen stehen die Fäden bei Shiota auch für Erinnerungen – und gegen das Vergessen. Sie verarbeitet da teils sehr persönliche Erlebnisse, etwa eine Fehlgeburt im sechsten Monat.

Weitere Informationen

Chiharu Shiota: Gedankenlinien

Museum Sinclair-Haus
Löwengasse 15, Eingang Dorotheenstr.
Bad Homburg
Di 14-20, Mi-Fr 14-19, Sa, So & Feiertage 10-18 Uhr
Bis 16. Juni 2019
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen
Mehr Informationen unter www.museum-sinclair-haus.de

Ende der weiteren Informationen

Stimmen und Eindrücke von der hr2-KulturVerFührung

Audiobeitrag
hr2-KulturVerFührung Sinclair-Haus

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Man steht im roten Netzwerk und ist emotional überwältigt!"

Ende des Audiobeitrags

Auf der Biennale in Venedig 2015 wurde die japanische Künstlerin Chiharu Shiota mit ihrer raumfüllenden Installation aus roten Wollfäden, verwoben mit alten Booten, weltbekannt. Jetzt zeigt das Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg eine eigens für das Haus konzipierte Ausstellung. Und 18 hr2 Hörerinnen und Hörer konnten eine exklusive hr2-KulturVerFührung genießen.

"Den Wunsch Künstlerin zu werden, habe ich mit 12 schon gespürt"

Videobeitrag

Video

zum hr-fernsehen.de Video Chiharu Shiota

Ende des Videobeitrags

Weder Pinsel noch Farbe: Im Berliner Atelier der im japanischen Osaka geborenen Künstlerin Chiharu Shiota gibt es stattdessen Labyrinthe aus Wollfäden. "Den Wunsch, Künstlerin zu werden, habe ich mit zwölf Jahren gespürt und ich war auch damals schon besser im Malen als die anderen Kinder. Meine Eltern hatten eine Fabrik, wo Verpackungen für Fisch-Produkte hergestellt wurden und die Arbeiter wie Maschinen funktionierten. Schon als Kind war mir klar, dass das nicht das richtige Leben für mich sein konnte. Ich wollte in einer kreativeren, menschlicheren Welt leben. Deshalb vertiefte ich mich mehr und mehr in die Kunst." Für "Hauptsache Kultur" hat die Japanerin Einblicke in Leben und Arbeit gegeben.

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 16.4.2019, 7:30 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit