Blutmond
Wie gemalt: Phasen des "Blutmonds" bei der totalen Mondfinsternis am 27. Juli 2018 Bild © Imago Images

Der Mond übt seit jeher eine große Faszination auf Künstler aus. Die Dunkelheit verbirgt Geheimnisse, das Mondlicht erleuchtet mystisches Geschehen. Das Licht, das die Nacht erhellt, hat die Maler in hohem Maße inspiriert. Träume werden lebendig. Visionen scheinen auf. Sehnsüchte. Nacht und Mond zu malen war für die Künstler nicht zuletzt auch eine besondere Herausforderung. Wir stellen drei Bilder aus hessischen Museen vor.

Die Tempelruinen von Selinunt bei Mondschein - August Bromeis (1865)

Neue Galerie, Kassel

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Mondbild August Bromeis: Tempelruinen von Selinunt bei Mondschein

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mondbild August Bromeis: Tempelruinen von Selinunt bei Mondschein

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Am Himmel steht groß und leuchtend der Vollmond. Auf dem Meer in der Ferne glitzert sein klares Licht. Die Nacht ist warm. Über den tiefblauen Himmel ziehen zarte Wolken, die vom Mondlicht silbern erleuchtet werden. Deutlich zeichnet sich die Silhouette der Berge am weiten Ende der Bucht ab. Groß und dunkel stehen die antiken Ruinen des Tempels von Selinunt. Wie die Finger eines Riesen ragen sie in den Himmel.

Zitat
„Bromeis versucht das Stimmungsvolle, das Atmosphärische Siziliens, auch gerade der Tempelruinen einzufangen. In seinen Nachtdarstellungen geht es auch um das stimmungsvolle, das Mystische. Zitat von Dorothee Gerkens, Neue Galerie Kassel
Zitat Ende

Hirten lagern im Schutze der Ruinen an einem glühenden Feuer. Einer von ihnen lehnt, tief versunken, an einer alten Säule. Man kann sich gut vorstellen, wie der Künstler vor über 150 Jahren vollkommen verzaubert in einer Vollmondnacht in Sizilien aufs Meer schaute. Zeit und Raum vergessend. August Bromeis kam aus Kassel und orientierte sich in seiner Malerei an der Romantik.

Die Flucht nach Ägypten - Peter Paul Rubens (1614)

Schloss Wilhelmshöhe, Kassel

Mondbild Peter Paul Rubens: Die Flucht nach Ägypten. 1614
Mondbild von Peter Paul Rubens: Die Flucht nach Ägypten (1614) Bild © Museumslandschaft Hessen Kassel, .

Josef und Maria fliehen vor den Häschern des Herodes in das Dunkel der Nacht. Im Traum vernahm Josef die Warnung Gottes, der König trachte dem neugeborenen Kind nach dem Leben. Überstützt macht sich die Heilige Familie auf den Weg. Fort von hier. Nur eine schmale Mondsichel steht am Himmel und erleuchtet die Landschaft spärlich.

Zitat
Rubens kontrastiert auf der einen Seite das Licht, das aus dem Jesuskind heraus zu leuchten scheint. Auf der anderen Seite das fahle Mondlicht, was im Hintergrund die Landschaft aus der Dunkelheit heraus scheinen lässt. Dieser starke Kontrast zwischen dem himmlischen Licht und dem natürlichen Licht des Mondes ist von der dramatischen Lichtregie typisch Rubens. Zitat von Carina Weißmann, Museumslandschaft Hessen-Kassel
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In der Ferne, am anderen Ufer des Sees, kann man bereits einen nahenden Reiter erkennen. Josef wendet sich um. Undurchdringlich steht das Dunkel der Bäume. Der Weg ist gefährlich. Zwei Engel begleiten die kleine Gruppe und führen den Esel, auf dem Maria reitet. Sie trägt das Jesuskind im Arm. Von dem Kopf des schlafenden Säuglings gehen feine goldene Lichtstrahlen aus und tauchen die Reisenden in ein zartes goldenes Licht. Was ist an diesem Bild typisch Rubens?

Mondnacht - Ernst Ludwig Kirchner (1924)

Städel, Frankfurt

Mondbild Ernst Ludwig Kirchner: Handorgler in Mondnacht, 1924
Mondbild von Ernst Ludwig Kirchner: Handorgler in Mondnacht (1924) Bild © Städel Museum, .

Bei Ernst Ludwig Kirchner scheint die Mondnacht in tiefem Blau, Grün und Violett. Es ist ein großes, starkes und sehr ruhiges Bild. Die dunklen, irisierenden Farben scheinen von innen zu leuchten. Sie schließen sich zu einer harmonischen Einheit. Ein tiefer, sonorer Klang geht von ihnen aus. Drei Menschen haben sich auf der Bergwiese niedergelassen. Sie sitzen aufrecht und lauschen still dem Akkordeon, das der Mann auf dem Schoß hält. Es ist Sommer.

Zitat
Drüben spielt ein Bube Handorgel. Es treibt mir die Tränen in die Augen. Ich habe so lange keine Musik mehr gehört. Zitat von Aus dem Tagebuch von Ernst Ludwig Kirchner
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Groß steht der Vollmond über den hohen majestätischen Bergen. Gleichmäßig scheint sein Licht über das Tal. Die kleine Gemeinschaft scheint vollkommen verinnerlicht und versunken. Die beiden Frauen knien auf dem Boden und erinnern in ihrer etwas steifen Haltung ein wenig an fremde Holzskulpturen. Die Nacht hat alles verwandelt. Als Ernst Ludwig Kircher das Bild malte, lebte er bereits seit sieben Jahren in einem kleinen Dorf in den Schweizer Bergen. Das einfache Leben in Abgeschiedenheit und die Ruhe der Berge begeisterte ihn.

Webspecial: Die Mondlandung vor 50 Jahren

Am 20. Juli 1969 betraten die ersten beiden Menschen den Mond - mit einer in Folie gewickelten "Blechbüchse", einem Computer, dessen Leistung längst von jedem Taschenrechner übertroffen wird, und in handgenähten Raumanzügen. Die unglaubliche Apollo-11-Mission können Sie hier noch einmal in einem Webspecial nacherleben:

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 27.5.2019, 8:45 Uhr

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