Bartholomäus Bruyn d. Ä., Geburt Christi

Es war Nacht, als Christus geboren wurde, so steht es in der Bibel und der Begriff der "Heiligen Nacht" drückt es auch aus. Aber bis zur Renaissance wurde eben diese Nacht in der Malerei bei Tageslicht dargestellt. Dann kam der revolutionäre Wandel.

Mit der Entdeckung der Möglichkeiten der Ölmalerei und durch den neuen Anspruch der Renaissance, die Welt realistisch darstellen zu wollen, wurde die Darstellung der Dunkelheit in Angriff genommen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Städel-Kustos Jochen Sander über die neuen Möglichkeiten der Ölfarbe

Bartholomäus Bruyn d. Ä., Geburt Christi
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Das Bild von Bartholomäus Bruyn d. Ä. im Städelmuseum ist tatsächlich eines der frühesten, bei denen der Künstler versucht hat die Weihnachtserzählung bei Nacht zu malen. Obwohl auch im Lukasevangelium davon berichtet wird, dass das Christuskind bei Nacht geboren wird, war die Darstellung der Dunkelheit lange Zeit ein nicht zu lösendes Problem für die Künstler. Denn wie sollte man etwas malen können, dass gar keine Farben hat und das man auch nicht sehen kann?

Das Kind als Lichtquelle

Bruyn d.Ä.,, 1493-1555: Geburt Christi

Bartholomäus Bruyn d. Ä. zeigt in seinem Bild das Jesuskind leuchtend hell. Das Kind ist die Lichtquelle, die den Kreis der Umstehenden erleuchtet. Erst durch den Kontrast des hellen Lichtes zur Dunkelheit wird das Wunder so richtig wahrnehmbar, und der Künstler geht mit seinem Bild noch viel weiter. Wenn man aufmerksam schaut, entdeckt man, dass nicht nur das Kind leuchtet, sondern, dass es noch mehrere Kerzen im Bild gibt und in der Ferne den großen Stern von Bethlehem. Alle Lichtquellen erleuchten ihren Umraum, aber Christus leuchtet am hellsten. Sein Licht scheint bis in die Sphären des Himmels hinauf.

Die Geburt Christi bei Tageslicht

Im Vergleich dazu wird deutlich, dass das Bild der Geburt Christi des Pfullendorfer Altars noch ganz in der mittelalterlichen Tradition steht. Obwohl es nur gute 15 Jahre früher entstanden, verzichtet der Künstler auf die Darstellung der Nacht vollständig. Taghell erscheint das Geschehen. Alles ist gleichmäßig ausgeleuchtet und alle Farben strahlen mit ihrem Eigenwert, sind also nicht abgedunkelt. Der Himmel schließlich ist kein Nachthimmel, sondern ist, ganz der mittelalterlichen Symbolik verpflichtet, golden. Das Gold steht für das Göttliche und Übernatürliche. Dass die Szene in der Bibelerzählung eigentlich in der Nacht stattfindet, darüber hat der Künstler großzügig hinweg gesehen.

Von Stefanie Blumenbecker

hr2-Kulturcafé, 21.12.2018, 16:30 Uhr

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