Claude Oliver Rudolph, Der junge Gynt
Claude Oliver Rudolph, Der junge Gynt / Peer Gynt - Bad Hersfelder Festspiele Bild © Bad Hersfelder Festspiele/ K. Lefebvre

Peer Gynt von Henrik Ibsen gab es als erste Premiere in der berühmten Stiftsruine von Bad Hersfeld und unsere Kulturkritikerin Ursula May war dabei. Hier lesen, hören und sehen Sie mehr!

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Claude Oliver Rudolph, Der junge Gynt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ursula May über „Peer Gynt“bei den Bad Hersfelder Festspielen

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Peer Gynt, das Drama von Henrik Ibsen über einen Mann, der grandios scheitert an der Frage "Wer bin ich?", ist kein Klassiker für Freilichttheater und wird in Bad Hersfeld hier sehr eigenwillig inszeniert – mit neuer Übersetzung  und Zusammensetzung des Stückes und einem sehr ausgefeilten Bühnenbild. Regie hat Robert Schuster geführt  und er hat in dieses Stück wirklich alles hineingepackt, was es gerade an aktuellen Problemen gibt: Fake News, Spaßgesellschaft, gestrandete Flüchtlinge, #MeToo.

Neuer Anfang, neue Umgebung, Neue Medien

Peer Gynt beginnt in Bad Hersfeld schon im vierten Akt und spielt auf einem Kreuzfahrtschiff mit entsprechendem Bespaßungsprogramm an Bord: Yoga und Führungskräfteseminare. Peer hat den Zenit seines Lebens bereits überschritten und lässt sich von falschen Freunden feiern, von schmierigen Surfer-Typen. Und dann geht es Schlag auf Schlag: Es treten zwei Schauspieler  aus Afghanistan auf, die als Flüchtlinge über das Meer kommen und Einlass in diese dekadente Spaßgesellschaft fordern. Es wird auf Regisseure angespielt, die ihre Macht missbrauchen und übergriffig werden. Das Reich der Trolle ist hier das der digitalen Welt und Peer Gynt wird auch durch Fake News Politiker und Star von Fernsehtalkshows. Kaum ein Thema also, das da nicht auch hineingepackt wurde, was am Ende aber durchaus stimmig wirkt.

Bei soviel aktueller Aufrüstung – ist das dann noch Peer Gynt?

Es ist viel dazugetextet und umgedeutet worden, manches gestrichen - und das führt natürlich zu Irritationen, wenn man einen klassischen Peer Gynt erwartet. Beispielsweise die Szene, in der Aase, die Mutter von Peer Gynt, stirbt - eine der schönsten im Theater, weil Peer ihren Tod begleitet, natürlich wieder mit einer Lügengeschichte. In Bad Hersfeld spielt Nina Petri die Mutter, gleichzeitig auch eine Mischung aus Irrenärztin und Animateurin, und aus der Sterbeszene wird ein Rollenspiel, woduch Peer sein Verhältnis zu seiner  Mutter aufarbeiten kann. Solch eine neue Interpretation ist schon frech - akzeptabel und überraschend, aber eben auch zynisch. 

Noch ein Wort zum Hauptdarsteller

Den alten Peer Gynt spielt Christian Nickel direkt und klar, er geheimnist nichts in die Figur hinein. Der junge Peer Gynt, der immer wieder in Rückblenden auftaucht, wird von einer Puppe gespielt, die die bekannte Puppenmacherin Suse Wächter gemacht hat – und wie die Puppenspielerin Gloria Iberl-Thieme diese Figur führt, ist hinreißend und berührend .

Bis zum 1. September steht Peer Gynt auf dem Spielplan in Bad Hersfeld.

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Vorgestellt von Ursula May

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