Lotte Laserstein
Lotte Laserstein: Liegendes Mädchen auf Blau, um 1931 Bild © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Das Städel Museum in Frankfurt zeigt jetzt eine große Künstlerin der Weimarer Republik, die in Vergessenheit geraten ist: Lotte Laserstein. Hier lernen wir eine starke Frau und bemerkenswerte Künstlerin kennen, mit einer Geschichte, die es in sich hat.

Lotte Lasersteins Werk ist herausragend in der malerischen Qualität. Und man kann es heute ohne zu übertreiben als geradezu feministisch und emanzipativ im damaligen Kontext der Weimarer Republik bezeichnen. Sie war eine der ersten Frauen überhaupt, die 1927 einen akademischen Abschluss in Malerei erhielt. Und das mit Auszeichnung.

Große Kunstfertigkeit und ein anderer Blick auf Frauen

Lotte Laserstein
Lotte Laserstein: Tennisspielerin, 1929 Bild © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Laserstein kultivierte in ihrer Malerei einen dezidiert anderen Blick auf die Frauen ihrer Zeit als ihre vielen männlichen Kollegen. Sie hat vor allem den androgynen Typus der sogenannten "Neuen Frau“ gemalt: mit Bubikopf, selbstbewusst, stark, sportlich. Allen voran: sich selbst - und ihre beste Freundin Traute. Sie hat Lotte Lasterstein z.B. als Tennisspielerin verewigt: bildfüllend, in monumentaler Pose. Oder nackt: als klassischer liegender Akt zart dahin gestreckt, aber mit so einer großen Selbstbewusstheit und Sicherheit, dass unmissverständlich wird: Hier ist das Modell Subjekt auf Augenhöhe. Hier gibt es eine tiefe Freundschaft zwischen zwei starken Persönlichkeiten.

Mit ihrem hochkomponierten Realismus hatte sie großen Erfolg

Lotte Laserstein
Lotte Laserstein: Selbstbildnis an der Staffelei, 1938 Bild © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Laserstein hat - unter Anderem - eine bestechend feine Malweise entwickelt, ausdrucksstark und altmeisterlich genau. Sie wird darum gern in die Nähe der Neuen Sachlichkeit gerückt, dafür aber malt sie nicht sachlich-distanzierend genug, macht immer auch die Einfühlung in die Personen, die sie porträtiert, möglich. Außerdem hat Lotte Laserstein ihre Bilder hochgradig komponiert. Sie setzt gerne Spiegelungen und komplizierte Blickachsen ein, spielt kenntnisreich mit Zitaten der Kunstgeschichte, von der badenden Venus bis zur Selbstinszenierung als energischer "Schöpferin“ an der Staffelei. Und sie war damit extrem erfolgreich. Die breite Masse, aber auch die Kritiker haben ihre Bilder bewundert – und zwar ab ihrer ersten Ausstellung 1928.

Das jähe Ende im Dritten Reich

Doch die Nationalsozialisten stuften sie als Jüdin ein und ließen sie nicht mehr ausstellen. 1937 emigrierte Lotte Laserstein schließlich nach Schweden, sie konnte dort zwar von ihrer Kunst leben, aber nicht mehr an ihre früheren großen Erfolge anknüpfen.

Weitere Informationen

"Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht“

Städel Museum Frankfurt
19. September – 17. März 2019

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Fazit

Bildergalerie

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zur Bildergalerie Lotte Laserstein: "Von Angesicht zu Angesicht"

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Fast jedes einzelne Bild in dieser Ausstellung hat etwas Fesselndes. Weil Laserstein eine besondere Synergie erreicht: Ihre Gemälde sind gleichzeitig monumental und intim – sachlich und sensibel.

Videobeitrag
hs

Video

zum hessenschau.de Video Städel-Museum zeigt Lotte Laserstein

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Ihre Bilder erzählen viel von den Kämpfen der Frau und von der Gesellschaft insgesamt in der Weimarer Zeit – haben aber auch eine überzeitliche Aktualität, weil sie das ureigen Menschliche herauszuschälen vermögen. Das allein macht diese Ausstellung sehenswert!
Und gleichzeitig weitet sie den Blick. - Für das, was es damals noch gab, neben den bekannten Kunstströmungen des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit.

Vorgestellt von Tanja Küchle

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 19.9.2018, 07:30 Uhr

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