Felix Schöppner, Sinar, 2018
Felix Schöppners Bild einer Großformatkamera "Sinar" Bild © Felix Schöppner

Alle drei Jahre verwandelt sich die Rhein-Main-Region in ein Dorado der Fotografie. Jetzt ist es wieder so weit: vom 24. Mai bis 9. September zeigt die Triennale RAY an vielen Orten in Frankfurt und der Region Fotografie-Ausstellungen.

Audiobeitrag

Podcast

zum Artikel "Düster? Ja. Sehenswert? Unbedingt!" Stefanie Blumenbecker über RAY 2018 (Bild: Antoine d’Agata, Hamburg, Bodies)

Ende des Audiobeitrags

Der Titel ist Programm: Die Triennale Ray zeigt in diesem Jahr wirklich "Extreme". An über 10 Standorten im Rhein-Main-Gebiet werden herausragende Positionen zeitgenössischer Fotografie vorgestellt. In inhaltlich miteinander korrespondierenden Ausstellungen reflektieren über 60 internationale Künstler gesellschaftliche Transformationen, Identitätskonzepte und ästhetische Tendenzen unserer Zeit: Extreme Bilder aus extremen Lebenssituationen. Menschen in Armut und Dreck, geschundene Körper, Flüchtlingstrecks, zerstörte Architektur, sterbende Natur.

Richard Mosse, Moria in Snow, 2017
Richard Mosse, Moria in Snow, 2017 Bild © Richard Mosse, courtesy Galerie carlier | gebauer, Berlin, and Jack Shainman Gallery, New York

Eine seismographische Bestandsaufnahme des Menschlichen an den Rändern des Abgrundes. Die Künstler öffnen uns den Blick in Welten, die jenseits unserer Wahrnehmung liegen Richard Mosse reist mit den Flüchtlingstrecks durch die Sahara Richtung Europa und dokumentiert die große Wanderbewegung mit einer vom Militär entwickelten Wärmebildkamera, die bestechend schöne, aber auch gleißend distanzierte Bilder einer der großen Menschheitskrisen unserer Zeit macht.

Boris Mikhailov fotografierte in der Ukraine kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, in einem vom Zerfall zerfressenem Land, Menschen, die er bat sich für seine Kamera auszuziehen. Die Aktportraits zeigen verletzliche und verletzte Körper in einer deprimierenden Umgebung.

Isabelle Wenzel: Fields
Isabelle Wenzel: Aus der Serie "Fields" Bild © Isabelle Wenzel/RAY 2018

Die Fotografien von Isabelle Wenzel sind das Resultat einer akrobatischen Performance vor der Kamera. Sie positioniert sich in ausgefallenen, unmöglich anmutenden Haltungen an seltsam unspektakulären Orten. Im durch Selbstauslöser erzeugten Foto wird ihr Körper zur Skulptur im Raum, ihre eigene Persönlichkeit tritt in den Hintergrund, das Gesicht bleibt verborgen. Für die Ausstellung hat sie eigens neue Bilder in Darmstadt für die Field Studies aufgenommen, die erstmals zu sehen sein werden. Diese Ausstellung ist eine Kooperation der Darmstädter Tage der Fotografie mit dem Kunstforum der TU Darmstadt.


RAY 2018 Lois Hechenblaikner, Stubaitaler Gletscher, August 2010, aus der Serie Gletscherpathologie
Lois Hechenblaikner, Stubaitaler Gletscher, August 2010, aus der Serie Gletscherpathologie Bild © Lois Hechenblaikner | RAY 2018

So gar nicht nach den Hochglanzprospekten der Freizeitindustrie sehen die Bilder von Lois Hechenblaikner aus, der eine "Gletscherpathologie" erstellt und die Wunden der Berge zeigt, die der Skizirkus reißt. Sze Tsung Nicolás Leong aus China schließlich nimmt uns mit in die Geisterwelten der Vorstädte. In namenlose gewaltige Hochhäuser, die Chinas neue Mittelschicht aufnehmen sollen, aber nur sprachlose Zombies gebären. Orte, an denen Menschen sich nicht mehr begegnen und sich am Ende tatsächlich in Untote verwandeln.

Bildergalerie

Bildergalerie

zur Bildergalerie RAY 2018 Fotografieprojekte Frankfurt/Rhein-Main bis 9. September 2018

Ende der Bildergalerie

Aber nicht nur inhaltlich auch in der Wahl ihrer Medien und Mittel gehen die vorgestellten Künstler extreme Wege. Der Brasilianer Paulo Nazareth erwandert sich die Welt, seine Wege führten ihn schon von Brasilien nach New York. Die Kamera transportiert er in einer Plastiktüte, leben tut er während seiner Projekte auf der Straße. Er dokumentiert die neue Sehnsucht nach Grenzen und die alte Ausbeutung indigener Kulturen. Gewaltige Fototapeten aus kleinteiligen seriellen Elementen, die den Betrachter umschließen, finden sich bei Antoine d'Aga und die hundert- ja tausendfache Vervielfältigung des eigenen Selbst bei Martin Liebscher.  Teilweise ermöglicht die Triennale Ray tatsächlich vollkommen neue Perspektiven auf das Medium Fotografie und durch die Fotografie auf unsere Welt.

Audiobeitrag
Karte der RAY-Orte

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Extreme sind das Thema der RAY Fotoprojekte 2018" Vorbericht von Corinna Tertel

Ende des Audiobeitrags

Es gibt in der Rhein-Main-Region so viel Kompetenz und Vielfalt bei der künstlerischen Fotografie – die müsste man doch mal bündeln. Das dachte sich der Kulturfonds Frankfurt Rhein Main vor acht Jahren. Und gründete daraufhin die internationale Fotografie-Triennale RAY (englisch für "Strahl"), eine Schau zeitgenössischer Fotografie an über zehn Orten im Rhein-Main-Gebiet. Jetzt starten die RAY Fotoprojekte 2018 , erstmals mit einem viertägigen Festival.

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit