Eva Hesse: Ohne Titel, 1963
Bild © 2019 The Estate of Eva Hesse, Galerie Hauser & Wirth Zürich

Eva Hesse war ein Star der Kunstwelt – von dem viele aber noch nie etwas gehört haben. Nach der großen Eva-Hesse-Retrospektive 2002 nimmt sich das Museum Wiesbaden jetzt wieder der US-amerikanischen Künstlerin mit deutschen Wurzeln an. Kann diese Ausstellung der Retrospektive noch etwas hinzufügen?

Auch wenn sicher ist: Man wird Eva Hesse hier nicht neu entdecken – also nicht, wenn man sie schon kennt. Aber man kann ihr auf eine unaufgeregte Art in dieser Ausstellung sehr nahe kommen. Man kann ihre zentralen Ideen verfolgen, jenseits der großen Seil-Skulpturen, der Kästen und Eimer aus Fiberglas und Latex, mit denen sie bekannt geworden ist.

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Die Stärke der Ausstellung liegt darin, dass man hier den spannenden, intimen Prozess nachvollziehen kann, wie Eva Hesse ein Bild komponiert hat, wie sie eine Form gesucht und gefunden hat. Den Prozess kann man in ihren Zeichnungen und Collagen viel besser nachvollziehen, als in ihren großen Gemälden – oder sogar in ihren Skulpturen. Denn Eva Hesse hat ihre Zeichungen immer wieder überarbeitet, sie hat gekritzelt, übermalt und überklebt. Das hat eine große Energie – absolut irre für so kleinformatige, feine Bilder.

Die Zeichnungen als roter Faden

Sie hatte ziemlich viel Humor und sprühte vor Ideen. Sie hat vieles ausprobiert, fast manisch. Sie liebte das Spiel, das Experiment. Der Ausstellungs-Titel "Zeichnungen" kann ganz schön in die Irre führen. Denn Eva Hesse hat viel mit Gouache und Aquarell "gezeichnet". Da finden wir schon mal sämtliche Regenbogenfarben in einem Bild – und das ist total betörend. Eva Hesse selbst machte da gar keinen Unterschied: Sie sah ihre Zeichungen auch als Gemälde, nur "kleiner und auf Papier".

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Das Museum Wiesbaden hat die Ausstellung der Papierarbeiten aus dem Nachlass in den USA erweitert mit ein paar Skulpturen und Gemälden aus der eigenen großen Eva-Hesse-Sammlung. Und hat so Motive und Themen ergänzt, die in den Zeichnungen anklingen. Das ist ziemlich gut gelungen und bietet sich an. Denn Zeichnungen hat Eva Hesse immer gemacht, anders als Gemälde oder Skulpturen. Die Zeichnungen sind so etwas wie der rote Faden in ihrem Werk und vielleicht sogar der Schlüssel dazu.

Weitere Informationen

Eva Hesse: Zeichnungen

Museum Wiesbaden
15. März - 23. Juni 2019
https://museum-wiesbaden.de

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Punktuelle Vielfalt

Kreise oder Kreisformen zum Beispiel finden wir immer wieder in ihren Gemälden und Skulpturen und die tauchen schon in den frühesten Skizzen auf, die sie als Kunststudentin gemacht hat. Auch die typischen Kästchen und Quader und die Tendenz, die Bilder zu zergliedern, abzuteilen, Bereiche zu umranden. Aber obwohl Motive und Themen sich durchziehen, sind Eva Hesses Arbeiten stilistisch total unterschiedlich und vielseitig. Und das macht den eigentlichen Reiz aus.

Die Vielfalt der Ausstellung zeigt sich sehr punktuell. Aber es reicht, um einen chronologischen Überblick über ihr gesamtes Schaffen zu bekommen. Einerseits finden wir in ihren Zeichnungen oft Linien, die eine Räumlichkeit herstellen. Dem entgegen stehen andererseits sehr verspielte, wilde, flächige Ornament-Reigen: abtrakte Formen, Dreiecke, Pfeile, die über die Bildfläche wachsen.

Am Ende der Ausstellung stehen dann Entwürfe für Skulpturen, die Eva Hesse in ihr Notizbuch gekritzelt hat. Manche davon konnte sie vor ihrem Tod nicht mehr. Auch wenn nicht jede Zeichnung in Wiesbaden herausragend ist. Es kann trotzdem passieren, dass man mit leicht feuchten Augen aus der Ausstellung geht.

Sendung: hr2-kultur Kulturfrühstück, 13.3.2019, 06:45 Uhr

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