Schirn - Armleder - Ca. Ca.

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Was soll das? - Die Ausstellung in der Frühkritik

Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt zeigt ab heute die Ausstellung: "John M. Armleder: Ca. Ca." Auch wenn vermutlich die Wenigsten den Namen kennen - unter Kennern gilt der Schweizer als einer der wichtigsten Konzeptkünstler der Gegenwart. In der Schirn kann man jetzt sehen, warum.

Der erste Eindruck ist verwirrend

Wo bin ich denn hier gelandet? Im Möbelhaus? Beim Luxus-Inneneinrichter? Man ist komplett umgeben von bunt bemalten Wänden: von Streifen, Punkten und goldenen Totenköpfen. Viel Glitzer, Spiegel und Leuchtstoffröhren in allen Neonfarben, daneben ein flauschiger Flokati-Teppich, ein brauner Design-Ledersessel, ein Piano und jede Menge Zimmerpflanzen. Insgesamt ist es eine ziemlich schräge Mischung aus Diskofieber, Innendesign, Kitsch und Kunst - die sich in der Schirn auf die Rotunde vor dem Eingang und einen großen Raum im Haus verteilt.

Schirn - Armleder - Ca. Ca.
Ausstellungsansicht: John M. Armleder - Ca. Ca., Schirn Kunsthalle Frankfurt Bild © Norbert Miguletz / Schirn Kunsthalle Frankfurt

Kunst wird trivial

John M. Armleder spielt geschickt mit High und Low, mit hoher Kunst und vermeintlich niederer Trivialkultur. Er hinterfragt mit seinen Installationen und gestalteten Räumen gängige Kunst-Hierarchien. Für Armleder gibt es keinen guten oder schlechten Geschmack. In seinen "Furniture Sculptures", mit denen er bekannt geworden ist, geht es um die Trivialisierung des Kunstwerks; darum, wie heute Gemälde, Skulpturen und andere Kunstformen immer mehr zu dekorativen Elementen in Sammlungsräumen und Wohnzimmern werden.

Schirn - Armleder - Ca. Ca.
Ausstellungsansicht: John M. Armleder - Ca. Ca., Schirn Kunsthalle Frankfurt Bild © Norbert Miguletz / Schirn Kunsthalle Frankfurt

Hotelzimmer-Kunst für 88.000 Euro

Damit trifft Armleder den Nagel auf den Kopf! Schauen wir nur mal kurz nach Las Vegas. Dort hat es Damien Hirst gerade auf die Spitze getrieben. Er hat mit seinen eingelegten Haien und einigen anderen Arbeiten eine Hotelsuite ausgestattet. Die Nacht im teuersten Hotelzimmer der Welt kostet schlappe 88.000 Euro. Gegen solche Tendenzen stellt sich Armleder, aber nicht bierernst, sondern mit viel Witz und Humor. Seine Arbeiten sind gelungene ironische Kommentare zu dieser absurden Wirklichkeit, in der wir heute leben - besonders natürlich zum Status der Kunst.

Schirn - Armleder - Ca. Ca.
Ausstellungsansicht: John M. Armleder - Ca. Ca., Schirn Kunsthalle Frankfurt Bild © Norbert Miguletz / Schirn Kunsthalle Frankfurt

Kunstgeschichtliches Wissen nicht zwingend - aber es hilft

Die Arbeiten stecken voller Anspielungen auf die Kunstgeschichte, von Minimalismus bis Pop-Art und viele weitere Stilrichtungen und Künstler. Es ist ein Parforce-Ritt durch die Kunstgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts. Um die vielfältigen Bezüge und Anspielungen zu verstehen, benötigt man allerdings einiges an Hintergrundwissen. Das Gute ist: man muss das gar nicht alles wissen, um dem schrillen wie sinnlichen Spielzimmer-Charme zu erliegen. Das geht einfach so.

Schirn - Armleder - Ca. Ca.
John M. Armleder (Brioni Fall Winter 2015 Campaign) Bild © Collier Schorr

Fluxus und Remix

Was hier jeder bekommen kann: einen konzentrierten Überblick über das, was John M. Armleders Kunst ist und ausmacht. Denn von mehreren zentralen Serien, die er in seiner Schaffenszeit angefertigt hat, ist in dieser kleinen Ausstellung je ein Beispiel zu sehen. Mit seiner Kunstauffassung und Arbeitsweise hat er nicht nur die Fluxusbewegung der Schweiz in den 70er Jahren maßgeblich geprägt - bis heute beeinflusst er junge Künstler mit seinen Remixen aus Alltagsgegenständen, Designobjekten und Kunst. Echt schräg, verdammt ästhetisch - und absolut zeitgemäß!

Weitere Informationen

John M. Armleder. Ca. Ca.

7. Juni - 1. September 2019
Schirn Kunsthalle, Frankfurt
Zur Ausstellung der Schirn

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr2-kultur Kulturfrühstück, 7.6.2019, 7:30 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit