Betreiber und Wein-Connaisseur Gregor Bernd vor der Weinhandlung/Bar "Liebesdienste" in Frankfurt

Eine gute Weinbar zu finden, ist kein Selbstläufer. In den Städten lösen sich Weinkonzepte oft im Kneipengewimmel auf. Doch ein Lokal in Frankfurt beweist, dass es möglich ist und überzeugt mit einem konzentrierten und überraschenden Programm.

Frankfurt, unterer Oeder Weg – ziemlich nah an der Stadtmitte: Hier führt Gregor Bernd sein Ladenlokal mit dem Namen "Liebesdienste", das beides zugleich ist: Weinbar und Weinhandlung.

Und wenn man den in einem ansprechenden Dunkel-Grün gefassten Raum betritt, dann sollte man sich am besten gleich in die Hände des Chefs begeben. Und ihn einfach machen lassen, wenn man bereit ist neue, aufregende Geschmackswelten kennen zu lernen: Hier gibt es Weine weit jenseits von Mainstream und Standardprogrammen. Hier werden Fundstücke geboten, mit denen selbst ein geübter Weingenießer nur selten in Berührung kommt.

Eine eigene Aroma-Klaviatur

Gregor Bernd schenkt von einem Pignolo ein, aus einer Flasche mit dem Jahrgang 2012. Nein, diesen Wein hat er nicht gelagert, dieser Pignolo ist eben erst in den Verkauf gekommen, nach sieben-jährigem Ausbau auf dem Weingut. Schon das ist eine Seltenheit.

Dieser Wein spielt auf einer völlig eigenen Aroma- Klaviatur, hat durch seinen reichen Extrakt eine fast ehrfurchtgebietende Statur, bietet so viel unterschiedliche Töne, dass man fast Musik zu vernehmen glaubt. Was für ein Vergnügen, einen solchen Wein zu kosten. Und er ist repräsentativ für das Programm von Gregor Bernd, der dabei eines aber feststellt: "Ich will hier keine Weine verkaufen, nur weil sie von der Stilistik anders oder protesthaft sind, ich will keine protestierenden Weine haben, sondern welche, die immer noch zugänglich sind."

Die Erweiterung des Genusshorizonts

Damit spielt der Chef auf die Mode der manchmal etwas gewöhnungsbedürftigen ungefilterten Orange – oder Natur-Weine an. Nein, genau das will er nicht, seine Weine erweitern den Genusshorizont, fordern aber überfordern nicht. Es sind Weine von Kleinerzeugen, die mit größtem Qualitäts-Ehrgeiz ihrer Profession nachgehen, aber im Schatten der großen Namen und  Märkte arbeiten, weil sie keine Marken sind und es auch nicht sein wollen

Der gelernte Winzer und studierte Önologe Gregor Bernd hat sich diese Kontakte auf seinen Lehr- und Wanderjahren erobert, was jetzt seinen Kunden zu Gute kommt. Das führt dazu zu einer erstaunlichen Preis-Skala in seinem Laden, weil er nämlich direkt importiert.

Goldenes Land für Genießerherzen

Woche für Woche wechseln die Angebote an offenen Weinen, die man gelassen an hohen Bartischen oder auch draußen vor der Tür genießen kann. Man kann sich auch eine  Flasche aus den Regalen vor Ort öffnen. Für einen Aufpreis von 10 Euro, in dem aber eine große Flasche Mineralwasser inbegriffen ist. Auch das ist mehr als fair.

Und weil hier alles Stil und Format hat, ohne jedes elitäre Dünkel, sind auch die Snacks, die man sich zum Wein bestellen kann, hochwertig, wie die Käseauswahl, die vom bekannten Rheingau Affineur kommt. Oder der Prosciutto-Teller. Dieser Ort hier ist einfach goldenes Land für alle, die ein starkes Genießerherz haben.

Liebesdienste
Oeder Weg 44
60318 Frankfurt/Main
Mo-Fr 14 – 23 Uhr, Sa 11 – 23 Uhr
liebesdienste-wineandmore.de

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 26.7.2019, 17:30 Uhr

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